• Die Frage, wie man die Besitzer niedrig verzinster Wertpapiere, vor allem von Pfandbriefen und Kommunalobligationen, besser vor Kursverlusten schützen kann, ist in den vergangenen Wochen stark diskutiert worden. Sehen Sie überhaupt eine Möglichkeit, daß diesen Leuten in absehbarer Zeit geholfen werden kann?

Lambsdorff: Ich habe in der Bundestagsdebatte über den Jahreswirtschaftsbericht zu überlegen gegeben, ob man nicht aus den Mindestreserven, die bei der Bundesbank zinslos unterhalten werden, einen Betrag freigibt, um damit den Kleinsparern einen Teil ihres Verlustes dadurch auszugleichen, daß man ihnen die Papiere abkauft: zum Nennwert oder auch zu einem Wert, der darunter liegt, aber eben nicht zum heutigen Kurs von 60 Prozent für sechsprozentige Papiere.

  • Nun wird aber auch von Politikern aus der Koalition gegen Ihren Vorschlag eingewandt, daß Mindestreserven nicht dazu da seien, sie unters Volk zu bringen.

Lambsdorff: Ich glaube, daß man meinen Vorschlag allein mit dem Hinweis, daß er unorthodox sei und nicht den üblichen Regeln entspreche, nicht aus der Welt schaffen sollte. In dieser wenig orthodoxen Situation, in der sich die Besitzer niedrig verzinslicher Wertpapiere befinden, muß man sich eben etwas einfallen lassen, was ihnen helfen könnte – auch wenn es nicht im Rahmen der üblichen Kleiderordnung liegt.

  • Zum gleichen Thema gibt es eine Reihe anderer Vorschläge, wie etwa den der Verzinsung der Mindestreserven nach Maßgabe des Bestandes an niedrig verzinslichen Papieren bei den einzelnen Instituten. Würden Sie auch solche Überlegungen akzeptieren:

Lambsdorff Ich glaube nicht, daß uns der Umweg über die Verzinsung der Mindestreserven dem Ziel näherführen kann. Im Gegenteil: ein solcher Umweg würde es nur schwieriger machen, dorthin zu kommen, wo man hingelangen will. Ich will ja nicht die Verzinsung der Mindestreserven im Interesse der Banken und für die Banken erreichen. Das ist ein Thema für sich; ich glaube, daß die Bundesbank recht hat, wenn sie die Verzinsung der Mindestreserven nach wie vor ablehnt. Ich will vielmehr eine Besserstellung oder einen Schadenausgleich für die betroffenen Kleinsparer erreichen, und weiter gar nichts. Diesen Leuten, die heute ihre Papiere bei 60 Prozent sehen und dafür auch noch eine Verzinsung von nur sechs Prozent in Kauf nehmen müssen, muß man schnell helfen – möglichst bevor der Letzte von ihnen gestorben ist. Und das ist über die Verzinsung der Mindestreserven nicht zu schaffen.

  • In der grundsätzlichen Frage aber, ob den Sparern vom Staat geholfen werden soll oder von den Instituten, die die Papiere emittiert haben, entscheiden sie sich für den Staat?

Lambsdorff: Die Institute können das ja gar nicht schaffen, denn dafür ist der Block von 70 Milliarden Mark niedrig verzinslicher Wertpapiere viel zu groß. Sie setzen ja in der Tat die Rückflüsse aus ihren Krediten für die Tilgung von niedrig verzinslichen Papieren ein. Aber: was nützen diese 200 Millionen Mark, wenn man in Wirklichkeit vier bis fünf Milliarden braucht. pl