Im Buche eines deutschen Freundes fand ich den Satz, daß "die Franzosen das Parfüm erfunden haben, um ursprünglich ihren empfindlichen Mangel an körperlicher Hygiene zu vernebeln". Aber eine französische Freundin, die das Buch in die Hände bekam, schrieb hier an den Rand: "Parfüm erfunden? Durch die Kreuzzüge aus dem Orient importiert!"

Wie dem auch sein mag: diese Zeilen nebst Anmerkung las ich nach, als ich in der eleganten Pariser Frauenzeitschrift "Elle" ein Thema behandelt sah, das ich wie folgt umschreiben möchte: "Wie wäscht man sich heute und wie vor zwanzig Jahren?"

Man kann. sich die Man wort leichtmachen: Man wäscht sich öfter und gründlicher als vor zwei Jahrzehnten. Es ist ein Fortschritt zu verzeichnen. Dieser Fortschritt ist beträchtlich, wenn wir auf das Jahr 1953 zurückblicken. Er ist gewaltig, wenn wir die Epoche der gleichgültig, ins Auge fassen, gleichgültig, ob damals das vernebelnde Parfüm in Frankreich erfunden oder nur importiert wurde. Die Frage, wie proper man sein muß, um wirklich sauber zu sein, ist damit allerdings noch nicht geklärt.

Von 100 Befragten sagten 32, daß sie; sich täglich von Kopf bis Fuß wüschen. Ist das viel? Ist das wenig? Und müssen wir – Hand aufs deutsche Herz! – in dieser Hinsicht zu den Franzosen auf? oder können wir auf sie herabblicken? 84 von 100 putzen sich täglich, egal, ob Weib, ob Mann, wenigstens einmal die Zähne.

Was aber die tägliche "Intim-Wäsche" angeht, da teilen sich die Geschlechter: 87 Prozent: so lautet hier der weibliche Sieg, während die Männer sich mit 55 Prozent etwas schämen sollten. Überhaupt sind die Frauen properer als die Männer, die Städter sauberer als die Landbewohner, die jungen Leute mehr auf ihre Körperpflege bedacht als die alten.

Ein Knalleffekt der Umfrage kam zum Schluß. Da haben die Volksbefrager wissen wollen: "meinen Sie, daß Sie mehr auf Ihre Sauberkeit bedacht sind als andere? Daß Sie sozusagen eine Ausnahme sind?"

"Das allerdings!", so lautet sehr häufig die selbstbewußte Antwort.

Was wir bisher nur aus Erfahrung wußten, nämlich, daß die Ferkel niemals wir, sondern stets die anderen sind, ist jetzt statistisch belegt: 39 Prozent der Befragten sagten, nur höchstens drei von hundert der Bevölkerung seien schätzungsweise so sauber wie sie selber...