Neu in Museen und Galerien:.

Hamburg Bis zum 19. Mai, Kunstverein: "Spurensicherung"

Ob "Spurensicherung" die Sache deckt, die in Hamburg an sechs Beispielen aus Deutschland, Frankreich und Italien (die beliebig vermehrt werden könnten) abgehandelt wird, ist ziemlich belanglos. Die Berliner Parallelausstellung heißt "Identität" und zeigt "Versuche bildhafter Selbstdefinition". Es geht, so der Hamburger Untertitel, um "Archäologie und Erinnerung". Spurensicherung meint: der eigenen Existenz auf die Spur kommen (was gewiß nichts sonderlich Neues in der Kunst darstellt, mindestens seit Dürer ist das Selbstbildnis ein Instrument der Selbstbefragung). Der spurensichernde Künstler will die eigene Vergangenheit ausgraben und freilegen, er übernimmt gewissermaßen die Methoden der Archäologie, um sich durch die verschütteten Schichten der Biographie durchzuarbeiten, um Fundstücke der Erinnerung heraufzuholen. "Ich versuchte zuerst all das wieder zu finden, was sich im Zeitraum zwischen meiner Geburt bis zum sechsten Lebensjahr abspielte. Die Dinge, die ich wiederfinden konnte, waren spärlich und oft unbedeutend: ein Lesebuch, ein Stück Pullover, eine Haarlocke", schreibt Christian Boltanski, der internationale Star unter den Spurensicherern und Erinnerungsarchäologen. Die Dinge, die Fundstücke werden nicht in Malerei umgesetzt (ein wesentliches, negatives Kriterium dieser ganzen Richtung, für die ein Name noch nicht vorhanden ist), sie werden in Photographien oder in Nachbildungen dokumentiert und in Texten beschrieben, der Text ist unverzichtbarer Bestandteil der Arbeit. Die Kunst der "Spurensicherung" gerät und begibt sich damit in die Nähe der zeitgenössischen Literatur, die ähnliche Grabungsarbeit betreibt und Protokolle über Arbeitsprozeß und Befund vorlegt. Nun ist die Tatsache, daß Schrift- – steiler und Künstler mit den gleichen oder ähnlichen Problemen beschäftigt sind, keineswegs bedenklich, sondern durchaus positiv zu werten, wenn und soweit die Künstler nicht im Literarischen steckenbleiben, wenn sie zu bildhaften Resultaten gelangen. – Die Hamburger Ausstellung zeigt einerseits Beispiele optisch unergiebiger Photo- und Sachdokumentationen. Auf der anderen Seite wird diese neue Kunsttendenz durch Arbeiten von Anne und Patrick Poirier und Jürgen Brodwolf glänzend legitimiert. Die Poiriers haben die römische Hafenstadt "Ostia antica" in einem raumfüllenden Modell (6 mal 11 Meter groß) rekonstruiert, wobei sie ihre subjektiven Erfahrungen und Erlebnisse im Umgang mit der Vergangenheit, mit dem Verfallenen, Ruinösen, den versteinerten Lebensspuren in das Modell eingebracht haben. Brodwolf präpariert antike Kunstdenkmäler (in einem Altertumsband des 19. Jahrhunderts) durch ergänzende Zeichnungen für das heutige Archäologieverständnis.

Köln Bis zum 31. Mai, Galerie Gmurzynska: "De Stijl – Cercle et Carré"

In einer breit angelegten Retrospektive werden Entwicklungen des europäischen Konstruktivismus, seine Haupt- und Nebenwege vorgeführt. Die Kölner Galerie hat zu ihrem Spezialgebiet 150, zum größten Teil völlig unbekannte Arbeiten zusammengebracht. Der Zeitraum reicht von 1917 (im Oktober erschien die erste Nummer der Zeitschrift "De Stijl") bis 1930, dem Jahr der Pariser Ausstellung "Cercle et Carré". Ob Mondrian, van Doesburg, Lissitzky, Léger, Kandinsky, Bill, Baumeister, Kassak, alle sind sie präsent, teilweise mit wichtigen Bildern. Dazu kommen die weniger geläufigen Namen, Paul Joostens etwa mit großartigen Collagen oder Edmund Kesting aus Dresden, Max Burchartz und Wobbe Alkema. Eine Entdeckung der Galerie ist der Prager Konstruktivist Karel Teige, der 1951 in Prag gestorben ist. In der Ausstellung sieht man einige aquarellierte Lithographien aus seinem Nachlaß. Auch der Theoretiker der Bewegung und Gründer von "Cercle et Carré", Michel Seuphor, ist mit Bildern aus den zwanziger Jahren vertreten, die seine Abhängigkeit von Mondrian demonstrieren. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Braunschweig Bis zum 19. Mai, Kunstverein: "Erich Häuser"