Zum erstenmal seit 1958 konnten am vergangenen Sonntag rund neun Millionen Kolumbianer ihren Präsidenten frei wählen. Bei etwa 50 Prozent Wahlbeteiligung errang der Kandidat der Liberalen Partei, Ex-Außenminister Alfonso Lopez Michelsen, eine klare Mehrheit. Sein konservativer Rivale, Alvaro Gomez Hurtado, kam auf knapp 31 Prozent.

Die Wahlen beendeten das vor 16 Jahren geschlossene Führungsbündnis zwischen den Liberalen und Konservativen. Damals hatten sich beide nach jahrelangem Bürgerkrieg in einer "Nationalen Front" zusammengeschlossen und vereinbart, daß beide Parteien abwechselnd den Präsidenten stellen würden. Die Regelung des Wechsels gilt fortan bis 1978 – nur noch für die Ministerposten.

Überraschend schlecht schnitten die Linksparteien ab, die in einem Wahlbündnis zusammengeschlossen sind, und auch die populistische ANAPO, angeführt von der Tochter des Ex-Caudillo Rojas Pinilla.

Alle Parteien hatten die schlimmsten kolumbianischen Übel zu beheben versprochen: die Inflation (30 Prozent jährlich) und die ungerechte Verteilung des Landbesitzes und Sozialprodukts.