Im Werk Cowley bei Oxford ist die British Leyland Motor Corporation wieder einmal zum Endkampf gegen die linksideologischen Störenfriede angetreten. Das Management rechnet dabei mit der Streikmüdigkeit der Arbeiter in dieser Autofabrik, die im vergangenen Geschäftsjahr zwei Millionen Arbeitsstunden durch Streiks verloren hat.

Soziale Unruhe ist eines der vielen Probleme des größten britischen Autokonzerns. Das Unternehmen arbeitet mit Verlust. Seine Zukunftsaussichten beurteilte die Börse mit dem Kurssturz der Aktie auf die Hälfte des Nominalwertes. Trotz zahlreicher Dementis wollen die Spekulat ionen nicht verstummen, daß Leyland reif ist für Staatshilfe und Staatsbeteiligung.

Das jüngste Drama in Cowley begann mit einem der häufigen Streiks, bei dem die Arbeiter Änderungen im Produktionsablauf erzwingen wollten. Die Bänder stoppten. Tausende von Arbeitern wurden nach Hause geschickt, darunter auch die Fahrer, die den innerbetrieblichen Transport besorgen. Als der erste Streik beigelegt war, streikten die Fahrer weiter.

Ihr Führer, Alan Thornett, ein führender Gewerkschaftsfunktionär im Werk und Mitglied der trotzkistischen Revolutionären Arbeiterpartei, habe nichts unternommen, um die 150 Fahrer zur Arbeit anzuhalten, während ihre Beschwerde untersucht wurde, meinte die Geschäftsleitung. Damit habe er gegen eine Betriebsvereinbarung verstoßen. Die Werksleitung ergriff die Gelegenheit, zum Schlag gegen den schon lange als Störenfried abgestempelten Trotzkisten auszuholen, der im Werks-Jargon den Spitznamen "Maulwurf" trägt. Sie entzog dem Wühler die Anerkennung als shop Steward und riskierte damit die Konfrontation mit den übrigen Funktionären, die in dieser Aktion einen unzulässigen Eingriff in ihre Rechte sehen.

Leyland glaubt, über den Fall Thornett die Macht der linken Agitatoren zu brechen, die das schlechte Arbeitsklima in Cowley schätzen und nutzen. Bisher sind aber weder die Fahrer noch die shop stewards vom Maulwurf abgerückt. Seit drei Wochen wird kein Auto hergestellt. 12 500 Arbeiter feiern. Ihre Frauen haben es offenbar satt, die Männer dauernd zu Hause zu sehen. Eine Sprecherin des britischen Hausfrauenverbandes legten ihnen deshalb nahe, sich ihren Männern so lange zu verweigern, bis diese ihre Arbeit wieder aufnehmen. wk