Eine bemerkenswerte Art elektrischer Leitfähigkeit zeigt, wie aus einem Bericht von F. G. Yamagishi von der University of Pennsylvania vor dem 167. Kongreß der amerikanischen Chemiker in Los Angeles hervorgeht, eine Gruppe organischer Substanzen. Diese Eigenschaft unterscheidet sie von ihren Verwandten unter den Kohlenstoffverbindungen, die alle gute Isolatoren darstellen. Zudem nimmt das schon bei Zimmertemperatur recht beträchtliche Leitvermögen mit der Abkühlung auf minus 215 Grad Celsius noch um etwa zwei Zehnerpotenzen zu. Diese Temperatur ist fast dreimal so hoch wie die höchste bisher bei echten Superleitern beobachtete Sprungtemperatur. Dr. Yamagishi und seine hauptsächlich aus Physikern bestehende Arbeitsgruppe verweisen bei der Deutung dieser Erscheinungen auf ein altes Modell aus dem Jahre 1953, das der englische Physiker H. Fröhlich aus Liverpool zur Erklärung einiger spezieller Phänomene bei Superleitern entwickelte und das er als "Wellenreiten der Elektronen" beschrieb:

In einem Kristallgitter schwingen die Teilchen periodisch, aber regellos um ihre Ruhelage. Eine angelegte elektrische Spannung soll auf diese Schwingungen ordnend wirken, in der Art, daß energiereiche "Kristallgitterwellen" das System durcheilen und dabei die Elektronen mitnehmen. Bei tieferer Temperatur stört die Wärmebewegung der Moleküle diesen Vorgang weniger, so daß eine erhöhte elektrische Leitfähigkeit resultiert. Dieser Effekt wird auch als "pseudoeindimensionale Leitfähigkeit" bezeichnet. Wieweit diese Deutung zutrifft, muß allerdings noch in weiteren Experimenten geklärt werden.

Die pseudo-eindimensionale Leitfähigkeit wird von manchen Forschern als Vorstufe zur echten Supraleitfähigkeit angesehen. Zwar ist bei dem am häufigsten untersuchten Salz, dem mit "TTFTCNQ" abgekürzten Dimethyltetrathiofulvalentetracyanodimethylchinolin, auch bei weiterer Absenkung der Temperatur noch keine echte Supraleitfähigkeit erzeugt worden, doch hofft man, mit geringen gezielten Änderungen der chemischen Struktur dieses Ziel erreichen zu können. Es besteht sogar die Hoffnung, daß durch Synthese geeigneter organischer Polymere, die die Molekülstruktur supraleitender Verbindungen kopieren, Sprungtemperaturen im Bereich des Siedepunktes flüssigen Stickstoffs (-196 Grad Celsius) zu erreichen. R. K.