An amerikanischen Universitäten pflegt der Senator Edward Kennedy gern zu fragen, was denn die Studenten von der Wehrpflicht und von Verteidigungsausgaben halten. Jetzt stellte er an der Moskauer Universität dieselbe Frage: "Halten Sie dafür, daß in der Sowjetunion mehr oder weniger Geld für Verteidigungszwecke ausgegeben werden soll?" Die Antwort war verlegenes Füße-Scharren – und der empörte Ausruf eines weißhaarigen Professors: "Diese Frage ist eine Provokation!"

Die Verlegenheit ist erklärlich. In der Sowjetunion umgibt ein Mantel der Geheimhaltung alle Angaben über das Wehrwesen. Die Dienstdauer ist lang: zwei Jahre in Heer und Luftwaffe. In den Streitkräften stehen insgesamt 3,4 Millionen Mann unter Waffen (proportional der Bevölkerungszahl müßte die Bundeswehr 850 000 – statt 470 000 – Mann zählen). Westliche Fachleute schätzen, daß die sowjetischen Verteidigungsausgaben mit fast 100 Milliarden Dollar etwa so hoch liegen wie die amerikanischen – dies aber bei einem Bruttosozialprodukt, das nur halb so groß ist wie das der Vereinigten Staaten.

Wer wollte bezweifeln, daß solch hohe Ausgaben drücken? Daß sie den Fortschritt des Landes hemmen? Daß sie kritische Gedanken auslösen? Kein Wunder, daß die Frage danach als Provokation empfunden wird. ts