Zwei Tage vor der parlamentarischen Schlacht um die Reform des Abtreibungsparagraphen 218 warfen die Fraktionen am Dienstag einander vor, mit Geschäftsordnungstricks die Chancen ihres jeweiligen Gesetzentwurfs verbessern zu wollen. Dabei kam es der Koalition darauf an, die Fristenlösung nicht als ersten Entwurf erörtern zu lassen – was seine Aussichten mindern würde; auf der anderen Seite zeigte sich in der Opposition die Tendanz, die dritte Lesung – für Freitag geplant – hinauszuzögern. Über das parlamentarische Verfahren wurde an diesem Tag keine Einigung mehr erzielt.

Demgegenüber haben Sprecher von Koalition und Opposition noch einmal die Bedeutung des Gesetzwerkes hervorgehoben. Beide Seiten stimmen darin überein, daß der derzeitige Rechtszustand unbefriedigend und eine Reform notwendig sei. Dabei sprach der SPD-Abgeordnete Rapp von der "Massenhaftigkeit des Abtreibungselends".

Kardinal Döpfner bekräftigte in München, daß für die katholische Kirche eine Fristenregelung ebenso unannehmbar sei wie ein weitgefaßtes Indikationsmodell. Sie könne Abtreibung nur dulden, wenn das Leben der Mutter gefährdet sei.