Nach dem blutigen Ausgang des jüngsten Hamburger Banküberfalls – ein Polizist und der Täter wurden erschossen, eine Geisel gefährlich verletzt – wird sich die Polizei aufs neue fragen müssen: Waren Konzept und Durchführung ihres Zugriffs richtig? Zum erstenmal hatte eine Spezialeinheit der Schutzpolizei, das auf Grund der Erfahrungen mit früheren Geiselmorden aufgestellte "Mobile Einsatzkommando" (MEK), die Aufgabe übernommen, sieben Geiseln vor einem bewaffneten Raubmörder zu retten – leider mit zweifelhaftem Erfolg.

Ihrem Kollegen vom Streifendienst, der dem Täter buchstäblich vor die Pistole gelaufen war, konnten die MEK-Leute nicht mehr helfen; er starb, noch ehe sie eintrafen. Gegen ihren Plan, den Gangster wenn irgend möglich vor Erreichen des Fluchtautos zu überwältigen, läßt sich kaum etwas einwenden. Die Alternative: Laufen lassen und ermüden verdient jedenfalls nicht prinzipiell Vorrang; sie stundet nur den Augenblick der höchsten Gefahr, ohne die Gefahr mit Sicherheit zu mindern.

Und doch wäre eine der Geiseln, die es zu befreien galt, um Haaresbreite getötet worden. Es gibt freilich auch für die bestausgebildeten Polizisten angesichts der Unwägbarkeiten jedes neuen Falles kein Patentrezept dafür, wie sie einem Menschen aus einer mörderischen Lage helfen können, ohne ihn selber zu gefährden. Dennoch sollte die Hamburger Aktion eine sorgfältige Untersuchung wert sein: Nicht, ob die Polizei mit Recht geschossen und den Täter noch am Tatort getötet, sondern ob sie damit so zweckmäßig wie möglich gehandelt hat. Daß ein Verbrecher getötet werden darf, wenn er sein Opfer zu ermorden droht, unterliegt keinem Zweifel.

H.Sch.