Vier unterschiedliche Gesetzentwürfe zur Änderung des Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches liegen dem Deutschen Bundestag vor.

  • Die Mehrheit der SPD- und FDP-Abgeordneten befürwortet die sogenannte Fristenlösung. Danach ist jeder Schwangerschaftsabbruch bis zum Ende des dritten Monats nach der Empfängnis straffrei, sofern ihn ein Arzt nach vorheriger Beratung vornimmt Auch nach diesem Zeitraum ist ein Abbruch bei besonderer Gefahr für die Gesundheit der Schwangeren (medizinische Indikation) und bei absehbaren schweren Schäden für das Kind (eugenische Indikation) gestattet, im letzten Fall jedoch nur bis zur 22. Woche. Voraussetzung: Zustimmendes Votum einer Gutachterstelle. Der Entwurf sieht die Möglichkeit einer freiwilligen Sterilisation vor.
  • 27 Mitglieder der SPD-Fraktion, als Initiator der Abgeordnete Müller-Emmert, haben den Entwurf für eine erweiterte Indikationslösung vorgelegt Die Schwangere bleibt danach immer straffrei. Der Arzt kann die Schwangerschaft straffrei unterbrechen, wenn einer von vier Gründen vorliegt: medizinische Indikation, eugenische Indikation, ethische Indikation (durch Notzucht aufgezwungene Schwangerschaft) oder soziale Indikation (allgemeine Notlage). Dieses Modell setzt im zweiten Fall eine Frist von 20 Wochen nach der Empfängnis, im dritten und vierten Fall zwölf. Bei Notlagen müssen ein zweiter Arzt und eine soziale Beratungsstelle mitreden.
  • Die Mehrheit der CDU/CSU läßt nur eine eingeschränkte Indikationslösung gelten. Hierbei sollen die medizinische und die ethische Indikation gestattet sein, sofern drei Sachverständige, darunter zwei Ärzte, in einem schriftlichen Gutachten die Voraussetzungen festgestellt haben. Dieses Modell erschwert damit den Schwangerschaftsabbruch, erweitert aber den Indikationskatalog indirekt dadurch, daß die Gefahr schwerer kindlicher Mißbildungen als Unterfall der medizinischen Indikation gilt und Grund zum Abbruch sein darf. Ferner kann eine Abtreibung bei "außergewöhnlicher Bedrängnis" der Schwangeren für sie und den Arzt straffrei sein.
  • Der frühere CDU-Generalsekretär Heck und 27 andere Abgeordnete der Opposition wollen nur die medizinische Indikation gelten lassen, doch soll bei "außergewöhnlicher Bedrängnis" ebenfalls Straffreiheit möglich sein. Wie im Entwurf der Unionsmehrheit wird als Voraussetzung eines Schwangerschaftsabbruchs das schriftliche Gutachten dreier Sachverständiger, darunter zweier Ärzte, verlangt.