Das eine zumindest haben die Mitglieder des Arbeiterpartei-Zentralkomitees bedacht, als sie mit knapper Mehrheit den 52jährigen Jitzhak Rabin zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bestimmten: Jerusalems alte Garde mußte endlich der nachfolgenden Generation weichen. Dazu hatte Golda Meir ihren Platz freigemacht. Sonst aber wurde kein Problem gelöst.

Nach Rabins Wahl bleiben fast alle Fragen offen: Wechselt Dayan, der mit seinem ehemaligen Generalstabschef auf Kriegsfuß steht, samt seinen Freunden zur Opposition und verhindert so, daß Rabin eine Mehrheits-Regierung bilden kann? Gehen auch die Religiös-Nationalen von der Koalition ins gegnerische Lager über, weil ihnen die Friedens-Politik des früheren Washingtoner Botschafters nicht paßt? Kann es dann der Neuling Rabin wagen, mit einem Minderheits-Kabinett zu regieren?

Diese Unsicherheiten wird auch Henry Kissinger zu spüren bekommen, wenn er dieser Tage zu seiner zweiten Verhandlungsrunde in Damaskus und Jerusalem einfliegt. Am Golan lodert das Feuer des Krieges; er will es löschen helfen, gemeinsam mit Gromyko. Wer in Israel wird ihm sekundieren? Noch ist Rabin nicht Regierungschef, noch ist Golda Meir im Amt und mit ihr Moshe Dayan als Verteidigungsminister.

Der Friede in Nahost setzt voraus, daß es eine handlungsfähige Regierung in Israel gibt. Doch ist keineswegs erwiesen, wer mit wem in Jerusalem regieren – und vor allem: wer mit Autorität für Israel sprechen und verhandeln kann.

D.St.