Von Theo Sommer

Die Welt hat lange geglaubt, nur die Juden könnten die Wüste zum Blühen bringen. Aber wir alle werden umlernen müssen: Die Araber können es auch. Jetzt, wo sie Geld haben, Geld aus Öl, mehr Geld, als sie je brauchen werden, ist ein grünes Arabien kein eitler Traum mehr.

Unter den Vereinigten Arabischen Emiraten an der ehemaligen Piratenküste ist Abu Dhabi das größte. Sein Scheich Sayed mag mit dem Lesen und Schreiben Schwierigkeiten haben, aber er ist ein kluger Regent. Von Abu Dhabi nach Al-Ain hat er eine 160 Kilometer lange, vierspurige Autobahn bauen lassen. Rechts und links der Straße, zum Teil auch auf dem Mittelstreifen, grünt und blüht es schön; Oleander, Aleppokiefern, Eukalyptus. Millionen von Bäumen sind gepflanzt worden. Von Baum zu Baum führt freilich ein Schlauch mit Tropfdüsen; den ganzen Tag über wird bewässert; das Wasser enthält chemischen Dünger. Kostenpunkt pro Baum und Jahr: 150 bis 250 Mark, wurde mir gesagt. Und das Vergnügen, in zehn Jahren im Waldschatten durch die Wüste fahren zu dürfen, wird noch teurer werden: Schon senkt sich im Landesinneren der Wasserspiegel; die Meerwasserentsalzungsanlage von Abu Dhabi (Tagesausstoß 20 Millionen Liter) wird bald nicht mehr ausreichen; eine neue, größere muß gebaut werden; manch einer träumt von Kernkraft.

Gleichwohl wird noch genügend Wüste übrigbleiben. Auch mit Öl-Dollars ist sie nicht zu erobern, höchstens stellenweise zu zähmen. Aber wo das gelingt, verwandelt sich Ödnis in fruchtbare Üppigkeit.

"Möge Allahs Segen auf euch ruhen, heute und immerdar!" steht im Gästebuch des Arid Lands Research Center, das die University of Arizona auf der Insel Sadiyat vor Abu Dhabi betreibt. Vor fünf Jahren war dort nichts als sengende Sonne über gleißendem Sand; in elenden Binsenhütten fristeten ein paar Fischerfamilien ihr Leben. Heute gibt es auf Sadiyat eine Hafenmole, ein kleines Kraftwerk, eine Entsalzung anlage – und eine Ansammlung von futuristisch anmutenden Plastiktreibhäusern.

Auf zwei Hektar ziehen dort amerikanische Wissenschaftler mit ihren Helfern Tomaten und Gurken, Paprika und Eierfrüchte, alles an doppelmannshohen Spalieren; dazu Gladiolen für die Gemächer einer der Scheichas; Papayas sogar für die Tafel des Scheichs. Täglich wird eine Tonne Gurken und Tomaten auf den Markt gebracht – per Luftfracht bis hin nach Beirat, Der Versuchsbetrieb wird in diesem Jahr 450 000 Dollar kosten, wovon ein gut Teil auf Forschungsvorhaben entfällt, hofft aber auf einen Verkaufserlös von 250 000 Dollar.

Ein Paradies aus Plastik ist hier entstanden – denn nur Plastikmaterialien trotzen dem zerfressenden Einfluß der salzigen Luft. "Es ist denkbar", schreibt der bisherige Projektleiter, Professor Jensen aus Tucson, in seinem Rechenschaftsbericht, "daß das Sadiyat-Projekt nur ein Anfang ist: daß es möglich sein wird, in vielen Gegenden der Welt Gemüse anzubauen, in denen heute rein gar nichts wächst."