Tomi Ungerer: "Nirgends gibt es so viele Kochbücher wie in den Küchen von Amerika, und man kocht nicht; nirgends gibt es so viele Geschlechts- und Sexbücher, und..." Gerd Bucerius: "Man liebt nicht?" Tomi Ungerer: "...fickt nicht. Entschuldigung, das ist das einzige Wort." Dietmar Schönherr; "Es war schon mal ein Priester in der Sendung, der hat es auch benutzt."

Wortwechsel in der letzten "Talkshow" des WDR

Baader-Meinhof-Theater

Die Ankündigung war nach Art des Hauses: "Das erste Baader-Meinhof-Stück – ein hysterisches Melodram" sollte am vergangenen Sonntag in Peter Zadecks Bochumer Schauspielhaus uraufgeführt werden. Doch die Premiere fand nicht statt. Etwa dreißig Jugendliche, Schüler und Studenten, teilweise Mitglieder der KPD/ML, besetzten die Bühne und erklärten die Uraufführung für abgesetzt. In einer hitzig formulierten Resolution warfen sie dem Baader-Meinhof-Stück, das der englische Theatermacher Pip Simmons mit dem Bochumer Ensemble erarbeitet hatte, vor, es verunglimpfe die "Freiheitskämpfer in der BRD" als Hysteriker und Verrückte, es betreibe "in der gleichgeschalteten Medienpolitik" die Sache der "herrschenden Schweine". Über zwei Stunden lang diskutierten dann die Protestierenden auf der Bühne und in den Foyers mit Premierenbesuchern und Theaterleuten über Sinn und Unsinn der "bürgerlichen Kultur". Hausherr Peter Zadek, begreiflicherweise Unwillens, die Polizei um Hilfe zu rufen, betrachtete die Debatten aus dem angemessenen Abstand. Enttäuschte Theatergänger tröstete der Intendant so: "Sie haben hier bestimmt schon langweiligere Stücke gesehen." Am Dienstag abend mochte dann niemand mehr die Premiere verhindern. Vor angeblich ausverkauftem, tatsächlich aber nur halbgefülltem Hause fand die Uraufführung endlich statt: fast ohne Störungen – und fast ohne Beifall.

Bayerns Kampf

Das Finanzministerium des Landes Bayern, dem nach 1945 durch einen alliierten Kontrollratsbeschluß das Copyright an Hitlers "Mein Kampf" zufiel (vorher lag es beim Zentralverlag der NSDAP Franz Eher, München), will seinen Kampf gegen Nachdrucke des Führerwerks fortsetzen, das zu einem, gefragten Antiquariatsobjekt geworden ist. Eine Einstweilige Verfügung wurde dem Historiker Christian Zentner angedroht, der im List Verlag eine zur Hälfte aus Zitaten bestehende "kommentierte Auswahl" aus "Mein Kampf" herausgeben will: Sie wäre der erste, wenn auch nur partielle bundesdeutsche Nachdruck jenes "Fahrplans einer Reise ins Chaos", wie der Verlag Hitlers Buch treffend beschreibt. Beim Verhindern ausländischer Nachdrucke hatte Bayern bisher wenig Glück: Entweder kamen die juristischen Schritte viel zu spät und die Auflagen waren bereits verkauft, oder es lagen noch vor 1945 abgeschlossene, rechtsgültige Verträge mit dem Eher-Verlag vor, oder es konnte der originale Verlagsvertrag mit Hitler nicht vorgelegt werden. So erschienen Ausgaben von "Mein Kampf" bisher in Argentinien, Spanien, Portugal, Brasilien, Mexiko, Griechenland, Madagaskar, dem Libanon, Italien, Holland und Dänemark. Vielleicht sollte Bayern daran gehen, seine Verbotstaktik angesichts einer derartigen Erfolglosigkeit zu revidieren. Es steht außer Zweifel, daß "Mein Kampf" ein zeitgeschichtliches Werk von größter Wichtigkeit ist. Die Infektionsgefahr scheint wenig akut: Selbst Nazis fiel die Lektüre ihrer Bibel immer schwer, und ihre Gegner hätten besser daran getan, sie beizeiten genau zu studieren und ernst zu nehmen. Und wenn Regierungsrat Gall meint: "Wir wollen kein braunes Geld, Hitler-Geld stinkt", so ließe sich diesem Skrupel wohl begegnen, indem man die Erlöse einem antifaschistischen Zweck stiftete.

Marcel Pagnol

Er lebte in der Metropole: 1922, mit 27 Jahren schon, war er nach Paris gezogen. Und in Paris ist er in der vergangenen Woche, 79 Jahre alt, gestorben. Doch Paris wurde nie sein Thema – ein Leben lang hat Marcel Pagnolüber die Landschaft und die Leute seiner Kindheit geschrieben, über die französische Provinz, über Marseille und seine Umgebung: in Romanen, Erzählungen, Filmen. Und in Theaterstücken wie dem legendären "Goldenen Anker", die, noch immer weltberühmt, fast schon verblaßt sind. Stücke eines aussterbenden, gutmütig-gemütvollen Genres, unverlogene Idyllen – gleich weit entfernt vom kritischen Volkstheater für Intellektuelle wie vom fühllosen Gaudium des Volkstheaters für Touristen.