Von Klaus-Peter Schmid und Ernst Weisenfeld

In welchem Maße war die französische Außenpolitik in den letzten Jahren die Politik von Georges Pompidou, in welchem Maß die Politik von Michel Jobert?

Jobert: Solange Pompidou im Elysée war, hat er fast die Hälfte seiner Zeit außenpolitischen Problemen gewidmet. Da ich mit ihm gearbeitet habe, interessierte ich mich für viele Dossiers, aber ich war nie ein Spezialist für Außenpolitik. Sie fragen mich, ob das meine Außenpolitik war. Nein, es war die von Pompidou.

Im vergangenen Herbst haben Sie mehrmals von einer europäischen Zusammenarbeit auf dem Felde der Verteidigung gesprochen. Pompidou tat das zu dieser Zeit nie. Hat der Staatspräsident den Elan seines Außenministers gebremst?

Jobert: Ich glaube nicht, daß es einen Außenminister gegeben hat, der im Ausland bei internationalen Konferenzen in Wort und Tat freier war als ich. Das alles, weil ich den Spielraum für meine Freiheit genau kannte.

In den letzten Monaten habe ich möglicherweise für europäische Gespräche – vor allem auf der Ebene der Staatschefs – Pompidou Gesprächsthemen vorgeschlagen, aber nie nach außen. Meine etwas romantische Neigung wurde dann mit dem gesunden Menschenverstand, dem profunden Urteilsvermögen und der großen Vorsicht Pompidous konfrontiert. Es ging um Probleme der Wertung, der Opportunität, nicht um Grundsätze. Er sagte beispielsweise: "Eher im Dezember als im September." Er sagte: "Ja, das können Sie, aber nicht sofort." Und die Art, wie man zum Ziel kommt, zählt, viel. Immer habe ich mein ganzes Talent auf das Wie verwendet. Ich bin zum Ziel gekommen, oder ich bin gerade dabei, oder vielleicht komme ich auch morgen an, wenn ich noch da bin.

Sie haben vorige Woche in einem Interview mit "Le Monde" von der Möglichkeit gesprochen, ein föderiertes oder konföderiertes Europa zu schaffen. Was heißt das? Wo liegt der genaue Unterschied?