Wie die Polizei von San Francisco einen Massenmörder zu fangen versucht

Von Ronald Granz

San Francisco, im Mai

Dichter Nebel liegt in der San Francisco Bay und umhüllt die Wolkenkratzer, als der Taxifahrer mich in die Post Street fährt. „Sie sollten nachts nicht auf die Straße gehen, ,Zebra‘ läuft immer noch frei umher“, sagt er; „Sie sind Weißer und ‚Zebra‘ mag keine Weißen.“ Er glaubt nicht daran, daß die Nachtund-Nebel-Verhaftung von sieben Farbigen vor einigen Tagen in San Francisco jenen Massenmörder hinter Gitter brachte, der die Stadt seit sechs Monaten terrorisiert: „Zebra“. Inzwischen sind vier der sieben denunzierten Verdächtigen bereits wieder auf freiem Fuß.

„Zebra“ – für den polizeilichen Sonderfunckanal „Z“ –, so lautet der Code der kalifornischen Fahnder für den „random killer“ (Wahllos-Mörder). Seit dem 20. Oktober vergangenen Jahres, als man an der Bay Mrs. Quinta Hunt fand, geköpft, und neben ihr ihren schwerverletzten Mann, ist „Zebra“ für die kalifornische Stadt am Golden Gate eine Plage. Immer neue Mordanschläge, manchmal mehrere am Tage, versetzen Bevölkerung und Touristen in Furcht und Schrecken.

Seit Ende letzten Jahres taucht „Zebra“ meist im Schutz der Dunkelheit auf, schießt auf arglose Bewohner und verschwindet unerkannt. Achtzehn Menschen wurden Opfer seiner heimtückischen Anschläge. Zwölf von ihnen starben. „Zebra“ tötete stets aus nächster Nähe. Immer waren Weiße seine Opfer. Und niemals hinterließ er Anzeichen eines Raubes.

Zu den zufälligen Opfern des Mörders gehörten Saleem Eraket, der in seinem Lebensmittelladen starb, und Vincent Wollen, ein alter Mann, der auf dem Weg nach Hause war; Jane Holly wurde erschossen, als sie ihre Wäsche machte; Tom Rainwater, ein junger Soldat, starb auf dem Spaziergang. Sie alle wurden mit einer Pistole Kaliber 32 getötet. Die Geschosse waren die einzigen Spuren, die „Zebra“ hinterließ.