Wenn wir uns mit Träumen und hochprozentigem Alkohol aufgefüllt haben, dann sind wir eine kleine Herrenrasse ... Wir waten tief in dem Gefühl, eine unterdrückte Minderheit zu sein. Wie die Schwarzen in Amerika. Aber was für sie Malcolm X und die Schwarzen Panther sind, dafür genügen uns Fußball-Helden wie Jim Baxter. Wir bringen keine Führer hervor, nur Mittelstürmer.

Gordon Williams,

schottischer Schriftsteller

Documenta-Durcheinander

Das Durcheinander um die documenta ’76 scheint komplett. Eine Schauermeldung jagt das nächste Gerücht, Dementis antizipieren Verlautbarungen, die es nie gegeben hat, Gremien vermehren sich durch Zellteilung, Mitglieder erfahren von ihrer Berufung durch die Zeitung, Konzepte werden Leuten teils um die Ohren geschlagen, teils zum höheren Ruhm angerechnet, die gar nichts konzipiert haben. Zur documenta-Aufsichtsratssitzung am 6. Juni hatten Karl Ruhrberg und Wieland Schmied nicht, wie dpa meldete, ihren Rücktritt von der (in der Tat noch nicht vergebenen) künstlerischen und organisatorischen Leitung der d’6 telegraphisch in Kassel angemeldet, sie hatten vielmehr die Übernahme der Verantwortung beim derzeitigen Stand der Dinge abgelehnt und um Rückgabe ihres Konzepts gebeten. In Kassel hat man das höflich übersehen. Der documenta-Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung einen documenta-Rat berufen, zu dem auch Ruhrberg und Schmied gehören sollen. Michael Petzet (Lenbach Galerie, München), Evelyn Weiss (Wallraf Richartz Museum, Köln), Eduard Trier (Kunstakademie, Düsseldorf) sind dann neu in der Runde des Rats, der sich im übrigen aber aus wohlvertrauten Gestalten der documenta-Gremien aus Gegenwart und Vergangenheit rekrutiert: Arnold Bode, Herbert von Buttlar, Karl Oskar Blase, Erich Herzog, Gerhard Bott. Dieser documenta-Rat soll auf einer Sitzung am 17. Juni sowohl über ein endgültiges Konzept beschließen als auch einen Leiter benennen. Wer auch immer ernannt werden wird und wer auch immer diese Ernennung annehmen, wird: Er wird gut daran tun, sich den documenta-Slalom zwischen Kompetenz und Verantwortlichkeit selber rechtzeitig auszuflaggen. Mit der Begründung, daß in Kassel offensichtlich „keine Ausstellungsmacher erwünscht sind, sondern Bürovorsteher“ hat Karl Ruhrberg jetzt seinen Entschluß begründet, in Kassel endgültig nicht mehr mitmachen zu wollen.

Bamberg–Lübeck–Regensburg

„Die Altstädte Bamberg, Lübeck und Regensburg stellen auch heute noch eine Stadtform dar, die unter weitgehender Bewahrung der überkommenen Strukturen und baulichen Substanzen Mittelpunkte urbanen Lebens sind“ – schon das ist, abgesehen von ebenso wichtigen bauhistorischen Argumenten, Grund genug, sich um ihre Erhaltung zu kümmern. Und endlich scheint nun die Phase des Jammers über den fortschreitenden Verfall wie über die zu seiner Verhinderung notwendigen, aber unerreichbaren Milliardenbeträge überwunden zu sein: Die drei Städte haben eine Arbeitsgemeinschaft gebildet und Ende der vorigen Woche das erste Ergebnis gemeinsamer Überlegungen veröffentlicht. Es enthält die Erfahrungen, die die drei Städte beim Erhalten und Erneuern unter den Restriktionen des Städtebauförderungs- wie des Bundesbaugesetzes gemacht haben, aber auch schon Vorschläge, die entsprechenden Paragraphen besser zu formulieren, also für sehr alte Städte überhaupt erst anwendbar zu machen.