Deutschlands Fondssparer sollen mobilisiert werden. Während ab 1975 nur Bausparer und Inhaber von Lebensversicherungspolicen von einer bestimmten Einkommenshöhe ab ihre Beiträge steuerbegünstigt absetzen können, will der Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften (BVI) nun auch die Beiträge der Fondssparer in den Katalog begünstigter Aufwendungen einreihen. Begründung: Lebensversicherungen kommen für alte und kranke Menschen nicht in Frage; das Bausparen ist ohnehin nur für einen begrenzten Personenkreis von Bedeutung.

Mit Steuervorteilen könnte die Branche schlagartig ihre Probleme lösen. Sinkende Börsenkurse und steigende Zinsen schreckten in den vergangenen Monaten immer mehr Anleger. Den acht offenen Immobilienfonds flossen 1973 rund 85,4 Prozent weniger Mittel zu als im Jahr zuvor. Die Zuwachsraten bei den 105 deutschen Wertpapierfonds schrumpften um 48 Prozent. Steuervorteile würden Anleger über die mageren Ergebnisse der Fonds in schlechten Börsenzeiten hinwegtrösten und den Managern Geldzuflüsse in einer Zeit sichern, in der die Kurse niedrig und Chancen für Kursgewinne groß sind.

Von mehr als hundert deutschen Aktien mit einem einigermaßen breiten Markt erzielten allein in der ersten Hälfte dieses Jahres nur acht Aktien Gewinne von zehn Prozent und mehr, 84 Aktien brachten ihren Inhabern Verluste bis zu 47,5 Prozent ein. "Daß die Wertentwicklung von Fonds mit deutschen Aktien in diesen Zeiträumen angesichts einer solchen Börsenkonstellation nicht berauschend sein kann", so formulierte der Deutsche Investment Trust, "ist nicht verwunderlich".

Daß Deutschlands Fondsmanager trotzdem nicht versagt haben (siehe ZEIT Nr. 25 "Quittung für schlechte Leistungen"), verdeutlichte der DIT an einem Beispiel: Je eine Aktie von BASF, Bayer, Hoechst, VW, AEG, RWE und Siemens, am 31.12.1963 angelegt, hätte einen Betrag (ohne Spesen) von 1866 Mark erfordert. Die gleichen Aktien besaßen zehn Jahre später einen Kurswert von zusammen 891,50 Mark (Kursverluste dieses Jahres nicht mitgerechnet).

Das niederschmetternde Ergebnis, das um Dividendenzahlungen von zusammen 578,25 Mark und Bezugsrechtserlöse von 536,96 Mark bereichert werden muß, ergibt zusammen mit dem Kurswert vom Jahresende 1973 ein Gesamtvermögen von 2606,71 Mark. Bezogen auf das eingesetzte Kapital von 1866 Mark ergibt sich ein Gewinn von 7,5 Prozent in zehn Jahren. Nach Zinseszinsrechnung entspricht das einer jährlichen Verzinsungsrate von rund 0,75 Prozent.

"Den meisten Fonds ist es gelungen, diese Baisse besser zu überstehen, als die Mehrzahl der Direktanleger", heißt es beim Deutschen Investmenttrust (DIT), "möglicherweise könnte man angesichts der derzeitigen Börsensituation die Frage nach der Zweckmäßigkeit einer Wertpapieranlage ganz allgemein anschneiden." Aber auch diese Frage müßte seiner Meinung nach mit einem Votum für das Wertpapier enden, denn... "auf jedes Börsentief folgte ein Börsenhoch."

In der neuesten Broschüre des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI), "Investment 74", einem Sachbuch mit detaillierten Beiträgen und umfangreichen Statistiken zum Fondssparen, heißt es zum Thema Wertentwicklung allerdings nur lapidar, sie wären "weniger zufriedenstellend" gewesen. jfr.