ARD, Montag, 1. Juli: "Götz Friedrich inszenierte Mozarts Così fan tutte" von Norbert Beilharz

Daß Mozart eine "Burleske mit zauberhafter Musik überschüttet" hat, weiß das Ullstein-Lexikon der Musik über "Così fan tutte" zu berichten, und das ist ganz im Sinne all jener Urteile, die, seit Beethoven und bis hin zu Hofmannsthal, schon immer über diese opera buffa im Schwange waren. Beginnend mit Alfred Einstein hat zwar die Musikkritik, besonders auch in den letzten Jahren, erfolgreich versucht, den Hintersinn der Heiterkeit hervorzukehren, aber oft lief das dann auch nur auf die Aktualisierung Mozarts im Sinne von Eugen Roth hinaus: "Es nehmen die auf Erden wandern/doch alle einen für den andern." Mit vier unbekannten Sängern studierte Götz Friedrich im Schloßtheater Drottningholm die Verführungsduette Dorabella/Guglielmo und Fiordiligi/Ferrando ein und skizzierte singend, redend, agierend den erotischen Kosmos dieser Oper, dieser Musik.

Daß Verführung eine wechselseitig bedingte Lust ist (Dorabella/Guglielmo) und eine wechselseitig sich entfaltende Qual (Fiordiligi/Ferrando), daß Dorabella vielleicht die Inkarnation aller je in Mozart-Opern verführend verführten Frauen ist und Fiordiligi fast ein anderer Name für Beethovens Leonore: das zu zeigen, überredete Friedrich die jungen, ungeübten Akteure mit aller Verve und Direktheit. Ob es ihm wirklich gelungen ist, war leider nicht auszumachen, denn die fertigen Szenen in der Aufführung wurden nicht gezeigt. Überhaupt setzte sich auf unfreiwillige und ungute Weise die Unbeholfenheit der Protagonisten bis in den Film hinein fort: aneinandergelegte Passagen ohne Kommentar, Dokumentation zwar, aber keinerlei Interpretation, keine Auswertung, keine Hilfen fürs Publikum, keine Distanz, keine Analyse. Das tat der Vorführung des Temperaments von Götz Friedrich zwar keinen Abbruch, die Demonstration einer Inszenierung aber blieb ein unerfülltes Titelversprechen. Petra Kipphoff