An den Börsen schlug die Nachricht von der Schließung der Herstatt Bank wie eine Bombe ein. Galt die Stimmung auf dem Parkett schon vor dem spektakulären Fall als außerordentlich schlecht, so folgte am Donnerstag vergangener Woche Ratlosigkeit und Bedrückung. Teilweise kam es zu einer regelrechten Verkaufswelle. Die Kurse fielen um durchschnittlich drei Prozent. Bankaktien waren die Hauptleidtragenden. Die größten Tagesverluste seit Jahren mußten die Deutsche Bank mit minus 8,70 Mark und die Dresdner Bank mit minus sieben Mark hinnehmen. Die Commerzbank verlor 5,20 Mark. Man munkelte, daß ausländische Kreditinstitute rigoros Einlagen abzögen. Alles deutete auf einen "heißen" Freitag.

Wer einen Kurssturz an den deutschen Börsen erwartet hatte, sah sich jedoch getäuscht. Zum Wochenende zeichnete sich der Markt durch eine bemerkenswert feste Haltung aus. Selbst die in Mitleidenschaft gezogenen Bankaktien konnten sich wieder erholen. Die Kunden reagierten mit Gelassenheit. Von einem Abwandern der Kontoinhaber von den privaten zu den "Staatsbanken" (Sparkassen, Landesbanken und Genossenschaftsinstituten) konnte nicht die Rede sein. Doch ist die Krise erst ausgestanden, wenn sicher ist, daß nicht doch noch Folgeschäden eintreten.

Der Schock, der den Börsianern in die Glieder fuhr, machte jedoch auch klar, daß der Zustand der deutschen Aktienmärkte durchaus nicht so besorgniserregend ist, wie es zuvor angenommen wurde. Wenn der Markt schon einen Tag nach dem größten Bankenkrach in der Geschichte der Bundesrepublik mit festen Kursen reagiert, so hieß es auf dem Börsenparkett, kann es so schlimm um die Aktien nicht bestellt sein. Allerdings fehlt die erforderliche Liquidität. Als Signal für einen Umschwung könnte somit eine Lockerung des Zinssatzes gesehen werden.

Obwohl sich die Stimmen mehren, die eine Tendenzwende am Rentenmarkt für möglich halten, tendiert der Markt labil. Nach einigen eventuellen Liquiditätsbeihilfen der Bundesbank wird die allzu große Unsicherheit sicherlich wieder realistischerer Betrachtungsweise weichen, mei nen die Münchener Börsenbriefe und führen aus: "Nachdem mittlerweile auch das Ifo-Institut bestätigt, daß sich die konjunkturellen Abschwungtendenzen wieder verstärken und die Inflationsrate zum Jahresende vermutlich unter dem jetzigen Stand liegt, dürfte für Sie ein Engagement in Festverzinslichen eine gute Alternative sein. Kurzläufer, mit hohen Renditen und steuerfreien Gewinnen, sind gefragt. Kurzfristige Engagements haben aber auch auf der anderen Seite Vorrang. Länder und Kommunen bieten zur Zeit Schuldscheindarlehen mit Laufzeiten von maximal zwei Jahren und Renditen bis zu 10,5 Prozent (für zweijährige Papiere) an.

Wer sich längerfristig verschulden will, muß am Kapitalmarkt schon Spitzenrenditen von 11 und mehr Prozent bieten. Eine Emissionsrendite von 10,47 Prozent, wie bei der letzten Bundesanleihe, dürfte immer noch auf Schwierigkeiten stoßen. Solange sich kein eindeutiger Zinstrend abzeichnet, ist der Kauf von Bundesanleihen immer noch ein Wagnis. jfr.