ZEIT: Herr Pöhl, nach der Herstatt-Pleite wollen Sie das Ausmaß, in dem Banken riskante Devisen-Termingeschäfte betreiben können, verringern – durch Höchstgrenzen, die an das jeweilige Eigenkapital der Institute gebunden sind. Reicht das aus, um Banken-Zusammenbrüche mit ihren Folgen für viele Sparer künftig zu verhindern?

Pöhl: Ein absoluter Schutz gegen unverantwortliche Praktiken ist das nicht, schon gar nicht in Fällen, in denen mit Täuschung gearbeitet wird. Aber es ist doch eine zusätzliche Sicherung. Seriöse Banken werden sich auf jeden Fall überlegen, ob sie gegen klare Grundsätze des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen verstoßen.

ZEIT: Nun ist Herstatt sicherlich am enormen Volumen seiner Devisentermingeschäfte gescheitert. Andererseits spricht manches dafür, daß eine Reihe von Kreditinstituten mit den gleichen Geschäften große Gewinne gemacht haben, die sie dafür entschädigt haben, daß sie im engeren Bankgeschäft seit längerem nicht mehr viel verdienen können. Es wird zuweilen behauptet, die Möglichkeit der Devisentermingeschäfte habe manches Institut von einer Pleite bewahrt.

Pöhl: Richtig ist sicher, daß die scharfe Kreditpolitik seit dem Frühjahr des vorigen Jahres viele Institute schwer belastet hat. Manche Banken haben im Devisentermingeschäft einen Ausweg gesucht, aber eine Ertragsreduzierung als Folge der Kreditpolitik kann nicht als Argument dafür angeführt werden, Spekulationen in einen Umfang zu betreiben, der mit den Interessen der Kunden und Einleger einer Bank nicht vereinbar ist.

ZEIT: Iwan Herstatt hat nach dem Zusammenbruch seines Instituts vorgeschlagen, den Privatbanken Devisentermingeschäfte überhaupt zu untersagen. Wie stehen Sie dazu?

Pöhl: Ein derartiger Vorschlag aus diesem Munde ist ja wirklich bemerkenswert. Nun ja, die Limittierung, die uns vorschwebt, soll gleichermaßen für private und öffentlich-rechtliche Institute gelten. Denn es kann der Regierung und dem Gesetzgeber nicht gleichgültig sein, wenn die Steuerzahler für Fehler öffentlich-rechtlicher Institute geradestehen müßten.

ZEIT: Gleichwohl, bei Privatbanken gibt es solche Garanten wie die Steuerzahler nicht. Das haben auch die Herstatt-Kunden erkennen müssen.