Warum Citroën bei Peugeot unter die Haube kam

Genau ein Jahr währte die Anstandsfrist. Dann bestellte die Braut, gerade erst geschieden, ein neues Aufgebot. Daß gegen den jetzigen Freier ein anderer mit älteren Rechten auftreten könnte, muß nicht befürchtet werden. So hübsch ist die Braut wieder nicht – ökonomisch betrachtet.

Die Rede ist von zwei Größen der französischen Auto-Industrie: dem zweitgrößten Unternehmen, Citroën, das mit großer Sicherheit im kaum kleineren Branchendritten Peugeot aufgehen wird. Diese Absicht wurde erklärt eben ein Jahr, nachdem die seit 1968 bestehende Verbindung von Citroën zu Fiat jäh zerbrochen war.

Beschlossen ist jetzt dies: Peugeot, ein Familien-Unternehmen, und Citroën, im Mehrbesitz des französischen Reifenkonzerns Michelin, vereinen "ab sofort all ihre Anstrengungen", um später auch sich selbst zu vereinen. In welcher Form das geschehen soll, untersuchen gerade die Juristen. Sie haben vier Monate Zeit, um das "Endziel Einheit" abzusichern.

Danach soll an dem Pakt nicht mehr zu rütteln sein. Auch nicht daran, daß die Peugeot-Mannschaft im Verbund das Sagen hat und daß Michelin bei Citroën seinen Mehrheits-Einfluß aufgibt.

Dabei wird versichert, daß sowohl die Vertriebs-Organisationen wie auch die unterschiedlichen Marken-Strukturen erhalten werden. Zudem soll auf dem für beide wichtigen deutschen Markt (Marktanteile 1973: Peugeot 2,7; Citroën 2,1 Prozent) alles beim alten bleiben.

Daß von solchen Schwüren so gut wie nichts zu halten ist, dafür gibt es auch in der Bundesrepublik einige Beispiele, die bestens in Erinnerung sind: etwa das Ende von Marken wie NSU oder Hanomag-Henschel. Die eine ging trotz aller gegenteiligen Beteuerungen im Wolfsburger Volkswagenkonzern, die andere in Daimler-Benz auf.