Von Wolfgang Hoffmann

Seit Montag dieser Woche müssen die Kunden der Deutschen Bundespost für Briefe, Pakete und das Telephon höhere Preise zahlen. Die Hoffnungen der Post, damit (fast) aus den roten Zahlen zu kommen, waren allerdings verfrüht. Die eigenen Bediensteten haben ihr einen dicken roten Strich durch die Rechnung gemacht.

Ursprünglich sollten die erwarteten Mehreinnahmen von jährlich rund drei Milliarden Mark dazu dienen, das Defizit der Post in diesem Jahr auf rund 200 Millionen Mark zu begrenzen. Doch da der öffentliche Dienst bei den Tarifverhandlungen im Frühjahr geklun(c)kert hat und den Beamten entsprechend zugelegt wurde, sind die Personalausgaben um 600 Millionen Mark höher als vorausgeplant, so daß mindestens ein Defizit von 800 Millionen Mark entsteht. Die Post rechnet allerdings mit einem Fehlbetrag von einer Milliarde Mark, weil die Postkunden diesmal überaus ärgerlich auf die höheren Gebühren reagierten. Bereits bei Ankündigung der Preiserhöhungen und – nicht wie sonst erst bei ihrem Inkrafttreten schränkten viele den Brief- und Telephonverkehr ein.

Selbst wenn sich das Verkehrsaufkommen wieder normalisiert, werden die Mehreinnahmen nicht ausreichen, um die Defizite zu decken. Rote Zahlen werden deshalb auch für das nächste und das übernächste Jahr erwartet. Die ärgsten Minusposten für 1975 sind:

in Millionen Mark

  • der Brief dienst 691
  • der Päckchendienst 290
  • der Paketdienst 1066
  • der Postzeitungsdienst 630
  • der Gelddienst 795
  • der Postreisedienst 243
  • der Telegraphendienst III

Nennenswerte Überschüsse zur Deckung verlustreicher Betriebsbereiche erwirtschaftet Europas größtes Dienstleistungsunternehmen nur beim Telephonbetrieb. Der erwartete Überschuß: knapp drei Milliarden Mark. Was das Kartellamt den Mineralölunternehmen nicht gestatten will – die Verluste in einigen Unternehmensbereichen durch Gewinne bei gefragten Produkten auszugleichen – wird vom Monopolbetrieb Post seit Jahren in extremer Form praktiziert. Dennoch reichen die Telephongewinne nicht aus, um die roten Zahlen in anderen Bereichen auszubügeln. Fremd- und Eigenkapital müssen für den Ausgleich des Defizits der Post herhalten.