Nach dem Krach mit dem Kartellamt wählen die Dortmunder Brauereien eine neue Taktik, um höhere Bierpreise durchzusetzen

Die Biertrinker im Ruhrgebiet achten sorgfältiger denn je auf die Biermarke, ehe sie eine Kneipe betreten. Dabei geht es ihnen weniger um den Geschmack des kühlen Blonden als um den Preis. Einige Dortmunder Brauereien haben nämlich schon zugelangt und den Bierpreis um durchschnittlich zwölf Prozent erhöht.

Die Wirte haben die Preiserhöhung ihrer Lieferanten zum Teil weitergegeben – in Dortmund mußten die Freunde des Union-Bieres in einigen Kneipen am vergangenen Montag zum ersten Male zehn Pfennig mehr für das Fünftel-Liter-Glas zahlen – was lag näher, als auf die Konkurrenz-Marken Kronen oder Thier umzusteigen?

Den Anfang der neuen Preisrunde machte die zum Oetker-Konzern gehörende DAB/Hansa-Brauerei-Gruppe, die am letzten Tag des Monats Mai die Tresenfreunde mit der Ankündigung überraschte, vom 1. Juni an werde ihr Gerstensaft zwölf Prozent mehr kosten. Deutschlands Brauriese Dortmunder Union (DUB)/Schultheis; ließ nicht lange auf sich warten. Am 19. Juni kündigte er eine Preiserhöhung um ebenfalls zwölf Prozent zum 1. Juli an, die Tochtergesellschaft Dortmunder Ritterbrauerei will am 15. Juli folgen.

Aber noch ist nicht sicher, ob sich der neue Preis der beiden großen Dortmunder Gruppen durchsetzt. Die Kunden weichen auf andere Bier; aus, die Konkurrenz steht Gewehr bei Fuß und freut sich vorerst über wachsenden Umsatz. Seit die Biersorten von Oetker und Bayernhypo – die bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank ist Großaktionär bei DUB/Schultheiss – im Handel um zwei Mark je Kasten eurer geworden ist, machen andere Brauereien bessere Geschäfte.

Die Backpulver- und Bankenbiere standen ohnehin weniger der Qualität als des niedrigeren Preises wegen hoch in der Gunst des Publikums. Jetzt gewinnen die teueren Renommiersorten aus Sauerland und Eifel – Veltins, Krombacher und Bitburger – durch den verringerten Preisabstand genauso neue Freunde wie die Konsumbiere der noch zum alten Preis verkaufenden Revierbrauereien.

So erweist sich die Preiserhöhung der erst jüngst durch ein Millionen-Bußgeld des Kartellamtes geschockten Dortmunder Brauer als ein zähes Geschäft. Viele Wirte scheuen die Konfrontation mit dem Zecher und belassen es beim alten Preis.

Vor dem Urlaub, so ließ der Inhaber des Dortmunder-Bahnhofs-Restaurant verlauten, wolle er den Preis nicht mehr erhöhen. Mehrkosten durch Urlaubsgeld und Arbeitszeitverkürzung zwängen ihn jedoch, den Preis für 0,2 Liter DUB im Wartesaal Erster Klasse nach den Ferien von 90 Pfennig auf eine Mark zu erhöhen. In den billigen Pinten der größten deutschen Bierstadt lassen sich die Schlucker hingegen immer noch das Glas zu 60 Pfennig schmecken. hgk