ZDF, Montag, 1. Juli: "Danilo Dolci", Dokumentarspiel von Hans Wiese und Hans Dieter Schwarze

Ist es wirklich nicht einfach, einfach zu sein? Oder ist es doch bloß verschrobener Ehrgeiz, ein einfaches Thema "künstlerischer" darzustellen, indem man es kompliziert arrangiert? Solche Überlegungen kommen einem nach einer Sendung, die doch vermutlich das Ziel gehabt hat, die Zuschauer über einen Mann zu informieren, dessen Mut, dessen soziales Verantwortungsbewußtsein, dessen Besessenheit seit gut zwei Jahrzehnten von sich reden macht und dennoch bei uns – überraschenderweise, wie sich beim Herumhören ergibt – kaum bekannt ist: über den Italiener Danilo Dolci, einen gelernten Architekten, der 1952 nach Sizilien ging, in Italiens unterentwickeltste Provinz. Was Dolci, von Lobenden wie Lästerern als "’n bißchen Gandhi, bißchen Christus" gesehen, wollte, ist relativ simpel: die Regierung in Rom oder Palermo kritisieren, aufrütteln; die Sizilianer zur Selbsthilfe motivieren, aktivieren; das Land durch Bewässerung fruchtbar machen; die Macht der Grundbesitzer brechen; die Mafia aushöhlen.

So etwas kann man in einer erregenden Reportage mitteilen, temporeich, und – was notwendig ist – kritisch. Doch diese naheliegende "einfache" Methode haben die Autoren verworfen: Hans Wiese und Hans Dieter Schwarze wollten Kunst draus machen, sie dramatisierten die Realität zu einem "Dokumentarspiel" zurecht. Sie zeigten im Wechsel miteinander Interviews mit dem Sozialreformer und Wochenschauszenen sowie gestellte Filmszenen, zerschnitten und wieder zusammengeheftet in einer nicht plausibel werdenden Manier.

Die Folgen waren Langeweile, Ratlosigkeit, Nervosität, Uninformiertheit. Die Autoren bauten sozusagen bruchstückhafte Pfeiler auf und überließen es dem akrobatischen Assoziationsgeschick ihres Publikums, sie zu vollenden und obendrein die Brücke darüber zu schlagen, was nur denjenigen gelingen konnte, die über Danilo Dolci schon Bescheid wußten. Bei diesem so betonten Bemühen um eine künstlerische Form entstanden bisweilen Spielszenen von unerträglicher Kitschigkeit, und die Methode, eine Interviewerin fragen, die Antwort hinterher im gleichen Tonfall übersetzen und ohne Trennung in die nächste Frage übergehen zu lassen, paßte in dieses eitle Verwirrspiel.

Danilo Dolci bleibt nun eigentlich erst recht ein Thema für das Fernsehen.

Manfred Sack