Der amerikanische Präsident Nixon ist am Donnerstag voriger Woche – nach einem Zwischenaufenthalt in Brüssel, wo eine Deklaration über die politischen und militärischen Ziele der Nato unterzeichnet wurde – zu seinem dritten Gipfeltreffen in Moskau eingetroffen. Der freundliche Empfang unterstrich einmal mehr, daß KP-Chef Breschnjew, unbeschadet aller sachlichen Gegensätze –, großen Wert auf die Entspannungs- und Kooperationspolitik mit den Vereinigten Staaten legt.

Am Freitag wurden drei Abkommen unterzeichnet: über die Zusammenarbeit beim Hausbau und der Städteplanung, eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit in Energiefragen und ein Vertrag über die gemeinsame Forschung auf dem Gebiet künstlicher Herzen. Alle drei Abkommen waren schon vor Nixons Besuch praktisch unterschriftsreif.

Am Samstag unterschrieben Nixon und Breschnjew einen Zehn-Jahres-Vertrag über wirtschaftliche, technische und industrielle Zusammenarbeit, der in Volumen und Einzelheiten weit über das hinausgeht, was Moskau bisher mit westlichen Staaten vereinbart hat. Ungeklärt bleiben dabei freilich die Hauptfrage der Meistbegünstigung – die eine Mehrheit im US-Senat von der ungehinderten Auswanderung aus der Sowjetunion abhängig machen will – und die Gewährung langfristiger Kredite. Die Prawda hatte schon vor Nixons Ankunft die Bedeutung der anstehenden Wirtschaftsvereinbarungen nachdrücklich hervorgehoben.

Dagegen gelang es bis zum Wochenbeginn nicht, Vereinbarungen über drei Kernprobleme des sowjetisch-amerikanischen Verhältnisses zu treffen: über ein Verbot unterirdischer Kernwaffenversuche (die Gespräche zielen offenbar auf einen stufenweisen Abbau), eine Begrenzung von Anti-Raketen-Systemen (ABM) und eine Beschränkung der Mehrfachsprengköpfe auf Interkontinentalraketen (MIRV). Außenminister Kissinger hatte schon vor dem Besuch hochgespannte Erwartungen gedämpft: So notwendig solche Absprachen seien, wenn sich das Kräfteverhältnis in eineinhalb Jahren nicht grundlegend verkehren sollte, so gering seien die Chancen. Aus der Umgebung Nixons verlautete, man werde sich nur über "Absichtserklärungen" zu Einzelabkommen einigen.