Im österreichischen Verteidigungsministerium – so wurde gemeldet – ist ein in Bonn gefaßter Entschluß als "schäbig" bezeichnet worden. Es geht darum, daß die Mitglieder des Haushaltsausschusses einig geworden sind, der bundesdeutschen Botschaft in Wien künftig keinen Militärattache mehr beizuordnen.

Um aber den Ausdruck "schäbig" richtig zu genießen, müssen wir festhalten, daß er nicht von zivilistischer Zunge kam. Obwohl dem Wort ein rollendes "rrr" fehlt, klingt es militärisch, ja, offiziersmäßig von oben herab. Man spricht es am besten aus, wenn man die Mundwinkel verächtlich herabzieht: schäbig. Zur Entschuldigung der Wiener Offiziere muß jedoch hinzugefügt werden, daß sie möglicherweise nur deshalb verärgert sind, weil im Bonner Ausschuß die Bemerkung gefallen ist, ein bundesdeutscher Militärattache in Wien sei völlig überflüssig.

Den Bonnern ist natürlich recht zu geben. Aus den Erinnerungen einschlägiger Diplomaten wissen wir, daß Militärattachés bloß bessere Spione sind. Was soll’s also, da zwischen Wien und Bonn mit dem besten Willen kein Krieg zu erwarten ist. Das müssen wir in Rechnung stellen, auch wenn wir mit Ernst von Salomon wehmütig an das Jahr 1866 zurückdenken, ‚den einzig anständigen und ordentlichen Krieg", wie er sagte, "da er ausschließlich unter Fachleuten, nämlich den Deutschen, stattfand". Vorbei die schöne Zeit, vorbei!

In unseren Tagen hat nun der Abschied von dem französischen Komponisten Darius Milhaud die Erinnerungen dahin gelenkt, daß er unter dem Botschafter Paul Claudel Attaché in Brasilien war. Der eine ein genialer Dichter, der andere ein Musiker gleichen Formats. Mit anderen Worten: Was Diplomatie und Politik versäumen mochten, wird durch Kunst leicht wieder gutgemacht. In solchen Fällen wäre Bonner Sparsamkeit natürlich falsch am Platze.

Haben wir in Bonn nicht einen jungen Generalstäbler auf Lager, der nicht schießen, aber singen, nicht kommandieren, aber dichten, nicht Karten lesen, aber kunstvoll etwas zeichnen, nicht marschieren, aber tanzen kann? Ab mit ihm nach Wien! Damit den Herren Kameraden das "Schäbig!" in den Kehlen steckenbleibt.