Montedison landete noch einen weiteren Schlag: Der Chemie-Konzern kaufte sich mit 50 Prozent in Roms größte Tageszeitung "Il Messagero" (308 000 Auflage) ein. Seitdem streiten dort ein alter und ein neuer Verlagsdirektor vor Gericht und in täglichem Kleinkrieg darüber, wer Herr im Hause ist. Redaktionsstreiks gegen die Beeinflussung der Presse durch Industriegruppen wurden von den Kollegen in ganz Italien aktiv unterstützt.

Montanelli ist der lachende Dritte in diesem Konflikt. Als er vom "Corriere della Sera" vor die Tür gesetzt wurde, gingen weitere 25 Redakteure und 13 ständige Mitarbeiter freiwillig mit. Montanelli suchte und fand einen Finanz-Partner für eine eigene Tageszeitung. Obgleich er noch heute behauptet, weder Fanfani noch Cefis seien im Spiel, wollen eingeweihte Kreise mit Sicherheit wissen, daß der Montedison-Chef das Startkapital für die neue Corriere-Konkurrenz bereitstellte. Offiziell gibt Montanelli zu, daß die Werbegesellschaft SPI, deren finanziellen Hintergrund niemand genau kennt, für drei Jahre "mehrere Milliarden Lire" (eine Milliarde Lire sind vier Millionen Mark) garantiert habe.

Eigentümer des neuen Verlags ist jedoch eine Aktiengesellschaft, die den Redakteuren des "Giornale" selbst gehört. Die wirtschaftliche Zukunft des Blattes scheint zunächst gesichert. Bei dem geringen Personalaufwand seines Blattes – insgesamt 100 Redakteure und Mitarbeiter – sei, so erklärte Montanelli, die Gewinnschwelle schon bei 150 000 verkauften Exemplaren erreicht. Überdies erscheint der "Giornale" im Gegensatz zu den übrigen Zeitungen montags nie, um den teuren Sonntagsdruck zu sparen. Und just wenige Tage vor der Premiere des Blattes bekundete die Regierung ihr Wohlwollen: Sie gestattete eine Erhöhung der Zeitungspreise von 100 Lire (40 Pfennig). auf 150 Lire (60 Pfennig).

Friedhelm Gröteke