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Berlin Bis 30. September, Kupferstichkabinett (Berlin-Dahlem): "Die Holländische Landschaftszeichnung 1600–1740"

Eine seltene und glückliche Gelegenheit, speziell für Sammler und Liebhaber, ein zeitlich und thematisch begrenztes Gebiet der Handzeichnung gründlich zu studieren, sich auch unter den Kleinmeistern umzusehen, die oft nur geringfügigen Unterschiede in der Handschrift, in der Schraffur, in der Verteilung von Licht und Schatten wahrzunehmen. Das Berliner Kupferstichkabinett besitzt eine der besten und größten Sammlungen. Wolfgang Schulz hat den Bestand wissenschaftlich geprüft und durchgearbeitet und die Ergebnisse in einem kritischen Katalog niedergelegt, der zu der Ausstellung erschienen ist, die erste Bestandsaufnahme seit dem Bock/Rosenberg-Katalog von 1930 mit zahlreichen wesentlichen Korrekturen bei den Zuschreibungen der Blätter. Schulz hat auch die Auswahl für die Ausstellung vorgenommen, gut 200 Blätter, die ein möglichst breites, differenziertes Spektrum der holländischen Landschaftszeichnung geben sollen, auch wenn die großen, ohnehin bekannten Namen dabei zu kurz kommen. So werden von Jan van Goyen (der in Berlin mit 60 eigenhändigen Blättern vertreten ist) nur sechs, allerdings ausgesucht schöne Landschaften gezeigt. Von Rembrandt sieht man drei Spitzenblätter, darunter die bekannte "Amstellandschaft" und die Ansicht von St. Paul in London, die zu vielen Spekulationen Anlaß gegeben hat: Rembrandt ist nachweislich nie in England gewesen, die graphische Vorlage, nach der er gearbeitet hat, ist noch nicht ermittelt, möglicherweise war es ein Blatt von Wenzel Hollar, meint Wolfgang Schulz. Zu den Höhepunkten zählen die Blätter von Aelbert Cuyp, die mit geringstem zeichnerischem Aufwand ein Gefühl der Weite vermitteln, und die rembrandtnahen Zeichnungen von Jan Lievens. Die meisten Blätter sind vor der Natur, naar het leven, entstanden. Eine "Phantasielandschaft" von Herman Saftleven, uyt den gheest gezeichnet, ist die bedeutende Ausnahme. Unter den "Bentveughels", die nach Rom zogen, sind Berchem, Breenbergh und Hackaert besonders gut vertreten. Das Meisterwerk eines relativ Unbekannten: der "Acker mit rastendem Wanderer" von Jacob de Gheyn.

Darmstadt Bis zum 21. Juli, Mathildenhöhe: "Pierre Alechinsky"

Neues und immer noch Besseres von Alechinsky, hundert Bilder und Zeichnungen aus den letzten sieben Jahren, von den kleksographierten, surreal umgewerteten Kleinakten bis zum Riesenformat des "Tour d’horizon", das meiste ist zum erstenmal ausgestellt. Dazu kommen Graphikzyklen wie "Astres et désastres", die "Vulcanalogie" und "Vulcanalyses". Keiner von den ehemaligen Cobra-Leuten ist so weit voran- und dabei mit seiner Cobra-Vergangenheit so gut zurechtgekommen. "Cobra vivant", die Schlange lebt, sie wechselt die Haut, alle sieben Jahre. Alechinskys Bilder sind informell und autobiographisch. Mit ausfahrenden Gesten projiziert er Lebenserfahrungen, "Augenblicke, in denen die Vergangenheit knirscht". Was auf der Leinwand entsteht, ist eine intelligent gesteuerte Improvisation aus farbigen Elementen, die sich zu grotesken, witzigen, unheimlichen Formationen zusammenschließen, ein Comic Strip, bei dem die Gestalten blitzschnell von der realen in die imaginative Sphäre hinüberwechseln. Die Figuration gibt sich momentweise als Baum, als Vulkan, als Schlange, Rad, Fratze, Tanzpaar oder Familie zu erkennen, um sogleich wieder die fixierte Eindeutigkeit hinter sich zu lassen, ein Schauspiel, das durch die Kombination von Malerei und Zeichnung noch rätselhafter, noch spannender wird. Das figurative Motiv steht riesenhaft im Bild und wird von "Marginalzeichnungen" umrandet, die das Motiv variieren und kommentieren, seine formalen und inhaltlichen Möglichkeiten untersuchen. Alechinsky bewahrt die von ihm erfundene Methode vor Monotonie und Abnutzung.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen: