Heike Doutines Roman "Berta"

Von Rudolf Walter Leonhardt

Von Frau Mittermaier wird gesagt, ihr Leidensfluß habe sie in den Strudel gezogen, so daß sie sich nun habe hinaustreiben lassen müssen "mit make-up-geschändetem Gesicht". Man faßt sich an den Kopf und fragt sich, was veranlaßt eine Autorin wie Heike Doutiné, deren "make-up-geschändetes Gesicht" jeder Besucher einer Hamburger Party noch deutlich genug vor Augen hat, so etwas zu schreiben.

Das ist keine ganz zufällige Frage. Auch dieses Buch von

Heike Doutiné: "Berta", Roman; C. Bertelsmann Verlag, München, 1974; 464 S., 28,– DM

trägt ja deutlich genug autobiographische Züge. Im heimischen Othmarschen ist die Geschichte angesiedelt, diese Unmutserklärung an Hamburg – wenn ich das als einer aus dem "Heer nieselwettriger, graugetropfter Angestellter" richtig sehe – an das gleiche Hamburg, in dem Heike Doutiné groß geworden und als Schriftstellerin mehr beachtet worden ist als irgendwo sonst, dem sie, falls eine so schlichte Feststellung noch erlaubt ist, sehr viel verdankt.

Hamburg findet keine Gnade. Und Hamburgs Opernintendant, der leider nicht mehr amtierende, wird als Papst vorgestellt, "der nur auf Steuerkosten von einem Ritz ins andere schwebt, mit seinen Füßen in Kaviar paddelt, mal mit Sängerinnen, mal mit Komparsinnen schläft und ab und zu auch mal Kunsttörtchen backt."