Trotz einer einstweiligen Verfügung Ars Hamburger Senats wurde die Neue Heimat Mehrheitsgesellschafter an einem norddeutschen Wohnungsunternehmen

Eine Brüskierung des Senats. Wir werden die Gerichte anrufen", kündigte Staatsrat Diether Haas von der Hamburger Baubehörde an. Der Grund seines Unmuts: Die Norddeutsche Treuhand- und Kreditgesellschaft (NTK), Hamburg, überließ 77,75 Prozent ihrer Anteile an der Nordwestdeutschen Siedlungsgesellschaft (NWDS) der Unternehmensgruppe Neue Heimat, obwohl der Hamburger Senat gegen die NTK eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte.

Denn schon zwei Tage nach der gerichtlichen Verfügung war der Abtretungsvertrag mit der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat perfekt; "hinter dem Rücken des Senats, mit unangemessener Eile und", so Haas, "ohne Alternativen zu prüfen". Die Neue Heimat ist nun über ihren ehemals der NTK gehörenden Anteil Mitbesitzerin von 30 000 Wohnungen in den norddeutschen Ländern und in Nordrhein-Westfalen geworden.

Gegen die Transaktion der NTK, die von der CDU-Opposition in der Hamburger Bürgerschaft als "politischer Skandal" gewertet wurde, hatten die beiden hamburgischen Vertreter im NTK-Aufsichtsrat gestimmt. Allerdings vergeblich: Die Mehrheit des Aufsichtsrats, hatte den Verkauf an die Neue Heimat gebilligt.

Den schnell laut gewordenen Vorwurf der Machtkonzentration wies der Neue Heimat-Chef Albert Vietor als "unverständlich" zurück: "Wir haben schon 230 000 Wohnungen und wollen den größten Teil der NWDS-Wohnungen wieder privatisieren.

Um die bis in die Bundeshauptstadt reichenden Wogen der Erregung zu dämpfen – der Bund hält eine Minderheitenbeteiligung von 13 Prozent an der NWDS als einem offiziell anerkannten "Organ der staatlichen Wohnungsbaupolitik" –, forderte Vietor den für Bauwesen zuständigen Bundesminister Karl Rayens inzwischen schriftlich auf, sich zu einer Aufstockung seiner Anteile zu entschließen. "Wenn Bund und Länder wollen", so auch der Pressesprecher der Neuen Heimat, Günter Baumann, "würden wir auf die Mehrheitsbeteiligung an der NWDS verzichten."

Nicht auszuschließen ist, daß auch künftig kleine genossenschaftliche und gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften Anlehnung bei finanzkräftigen Partnern suchen werden. Hochzinspolitik des Bundes und der schleppende Absatz frei finanzierter Wohnungen ließen es der NTK geraten erscheinen, stärker auf Liquidität zu achten. Damit konnte die Neue Heimat aushelfen. ot