Die SPD ruft sich selber zur Ordnung. Dem Kanzlerwechsel und der Kabinettsumbildung ist ein Machtwort des Parteivorstands gefolgt, das die babylonische Sprachverwirrung in der SPD beenden soll. Die Arbeitsgemeinschaften in der Partei, so befand der Vorstand an Hand eines Antrages des fränkischen SPD-Bezirks, müssen bei ihren Leisten bleiben und dürfen sich nicht über die SPD erheben. Was sozialdemokratische Politik ist, bestimmen die Parteitage und die Führungsgremien der SPD, die notfalls auch mit "organisatorischen Maßnahmen" dafür sorgen sollen, daß Beschlüsse von Arbeitsgemeinschaften nicht im Widerspruch zu Parteibeschlüssen stehen.

Den Jungsozialisten, gegen die sich der fränkische Vorstoß richtet, ist damit der große Knüppel gezeigt worden. Auch Willy Brandt sprach ohne Umschweife davon, daß es Parteien in der Partei nicht geben könne. So deutlich war dies nie gesagt worden. Und so widerspruchslos ist ein solches Diktum auch nie zuvor akzeptiert worden. Die Jusos haben auf der Stelle deutlich gemacht, daß sie den Streit nicht suchen, auch wenn sie mit dem Kurs des neuen Kanzlers Schmidt keineswegs, einverstanden sein mögen.

Konflikte und Doppelstrategie sind aufgeschoben. Wenn auch zähneknirschend, trimmt sich die ganze Partei, von rechts bis links, für die Machterhaltung bis 1976 und darüber hinaus.

c.-c. k.