In Äthiopien hat am Wochenende das Militär endgültig die Macht an sich gerissen. Einheiten der äthiopischen Armee besetzten strategisch wichtige Punkte der Hauptstadt Addis Abeba. Sie brachten den Flugplatz unter ihre Kontrolle und den regierungseigenen Rundfunksender. Nach Angaben von Diplomaten haben die Truppen mehrere einflußreiche Politiker festgenommen, darunter den engsten Vertrauten des Kaisers, den Präsidenten des Kronrats und den ehemaligen Außenminister Menassie.

Ministerpräsident Makonnen wurde von der Armee in seinem Amt belassen, in das er im März, als die äthiophische Armee zum "politischen Reinigungsprozeß" ansetzte, mit dem Segen der Soldaten eingesetzt worden war.

Die jüngste Aktion der äthiopischen Armee wurde ausgelöst durch einen Appell von sieben Parlamentariern, die in einer Kaserne vor rund 2000 Soldaten die Freilassung von 25 früheren Ministern und Beamten gefordert hatten. Diese waren verhaftet worden, weil sie im Verdacht der Korruption stehen. Die Armeeführung betrachtete den Parlamentarier-Appell als unzumutbaren Eingriff in die Arbeit der Untersuchungs-Kommission, die die diversen Korruptionsvorwürfe klären soll.

Dem 81jährigen Kaiser gelobte die Armee erneut ihre Loyalität und erklärte "Jeder, der sich unseren Aktivitäten entgegenstellt, muß mit schwerwiegender Folgen rechnen."

Begonnen hatte die Machtübernahme des Militärs in Äthiopien zu Beginn die ses Jahres. Als im Februar in Addis Abeba Arbeiter, Studenten und Lehrer streikten, setzte sich nach anfänglichem Zögern das Militär an die Spitze der Streikender und trotzte dem Kaiser eine Reihe vor Zugeständnissen ab. Äthiopien, das eine der letzten Länder der Erde ist, in den eine mittelalterliche Feudalstruktur bis lang jede Art von Reformen unmöglich machte, soll nach dem Villen der Armeeführung eine neue Verfassung erhalten die die Rechte des Monarchen, der Großgrundbesitzer und der Kirche einschränkt Äthiopien gehört zu den Ländern mit dem niedrigsten Lebensstandard, 85 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten in großen Teilen des Landes herrscht durch anhaltende Dürre Hungersnot Kaiser Haile Selassie beugte sich den Druck seiner Soldaten, setzte eine neue Regierung ein, und versprach eine Verfassungsreform. Wenige Wochen nach diesen ersten Zugeständnissen setzte er seinen 20jährigen Enkel als Thronfolger ein.