Ziewer/Wiese zeigen aber auch die Verlängerung der gesellschaftlichen Widersprüche bis in die individuelle Existenz. So verfällt jener Vertrauensmann, der für jeden Kollegen Verständnis zeigt, zu Hause plötzlich in die Rolle eines verständnislosen Vaters gegenüber seiner Tochter, die in der Schule Schwierigkeiten hat. Vor dem Hintergrund einer so differenzierten Dramaturgie verliert die Forderung nach Solidarität ihren abstrakt-plakativen Anschein und gewinnt einen konkreten Inhalt.

Was Ziewers neuen Film von anderen Beispielen des Genres abhebt, ist vor allem aber auch seine filmische Brillanz. Etwa die Arbeit des Kameramanns Kurt Weber, der aus der polnischen Filmschule kommt und zuletzt Egon Monks "Bauern, Bonzen und Bomben" photographierte. Seine atmosphärisch dichten, dabe keineswegs nur dekorativen Bilder, stets auf die Fabel und die beabsichtigte Wirkung bezogen, erfüllen die Intention von Autor und Regisseur mit den Mitteln der Kamera und des Lichtes und sie machen deutlich, was auch in diesem Genre den gelungenen von dem nur gutgemeinten oder richtig gedachten Film unterscheidet die Umsetzung aller Einsichten, Überlegungen und Absichten in die Möglichkeiten des Films Ziewer und seinen Mitarbeitern ist das selbst unter materiell beschränkten Produktionsbedingungen gelungen. Wolfgang Ruf