Nach jeder Bankpleite rufen die Neunmalklugen: Das hätte vermieden werden müssen! Sie wissen auch genau, wir Ideologen von weit links wollen die Privatbanken verstaatlichen und glauben, dann sei es mit der Zeit der Verluste ein für allemal vorbei. Die anderen Kritiker unseres Wirtschaftssystems, die man ernster nehmen muß, möchten die Banken schärfer kontrollieren. Kein Wunder, daß nach der größten Bankpleite der Nachkriegszeit wieder beide Varianten zu vernehmen waren.

Die Öffentlichkeit ist mit Recht daran interessiert; daß Schwierigkeiten im Kreditgewerbe rechtzeitig erkannt und ausgeräumt werden. Schließlich wissen wir in unserem Lande nur zu gut, daß Bankzusammenbrüche leicht die ganze Wirtschaft aus den Angeln heben können. Die Bankenkrise des Jahres 1931, die vom Ausland ausging und dann auch die deutsche Kreditwirtschaft schwer erschütterte, hat sich tief ins Bewußtsein eingegraben. Diese Ereignisse waren es aber auch, die zu den ersten praktischen Maßnahmen auf dem Felde der Bankenaufsicht führten.

In fast allen Staaten hat sich die Überzeugung durchgesetzt, daß die Bankenaufsicht zum Schutz der Einleger zweckmäßig und notwendig ist. Über den Umfang der Kontrolle gehen jedoch die Ansichten auseinander. Die Anhänger einer strengen Bankenaufsicht fordern eine dauernde, bis in die einzelnen Geschäfte hineinreichende Kontrolle der Kreditinstitute durch regelmäßige Prüfungen. Wer möchte im Ernst behaupten, daß die Leistungsfähigkeit der Kreditwirtschaft gefördert würde, wenn man sie an die staatliche Kette legt? Keine Behörde der Welt kann die Bonität der gewährten Kredite besser beurteilen als der Bankier, der seine Kunden genau kennt. Im übrigen können auch die strengsten Kontrollen Verluste, Zusammenbrüche oder gar Bankenkrisen nicht verhindern.

Aus diesem Grunde haben sich Regierung und Parlament in der Bundesrepublik für einen mittleren, praktikablen Weg entschieden. Das Berliner Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ist mit einer Reihe von Befugnissen ausgestattet worden, die eher gewerbepolizeilicher Natur sind und jedes Mitwirken bei einzelnen Bankgeschäften ausschließen. Das Amt hat in Zusammenarbeit mit den Landeszentralbanken dafür zu sorgen, daß zuverlässige Männer an der Spitze der Kreditinstitute stehen; daß sie eine vorsichtige Geschäftspolitik betreiben, die auf ständige Zahlungsbereitschaft und ausreichende Erträge achtet; daß als Risikopolster angemessene Eigenkapitalien gebildet werden, damit Verluste aufgefangen werden können, die auch bei vorsichtiger Geschäftsführung nicht immer zu vermeiden sind.

Natürlich müssen weitere Sicherungen eingebaut werden, wenn sich die Verhältnisse ändern. Die Risiken aus ungewohnten Devisentermingeschäften sind relativ neu, nicht viel älter als das Floaten der Wechselkurse. Daß hier die Regierung Richtlinien für das Verhältnis der Devisentermingeschäfte zu den eigenen Mitteln der Banken ausarbeitet, ist nur konsequent. Vielleicht ließe sich die Bankenaufsicht noch durch den Einbau weiterer Sicherungen verbessern.

Doch weitergehende Befugnisse, mehr Eingriffsrechte und wirkungsvollere Instrumente fordert nicht einmal der Präsident des Bundesaufsichtsamtes. Er weiß, daß sich die Bankenaufsicht zwischen Scylla und Charybdis bewegen muß: Sie muß einerseits den größtmöglichen Schutz der Einleger sichern, andererseits darf sie die marktwirtschaftliche Auslese bei zureichendem Wettbewerb nicht behindern. Das heißt aber auch, die Bankenaufsicht wird niemals alle Bankpleiten verhindern können. Sie sind schließlich ein untrüglicher Beweis dafür, daß der Wettbewerb unter den Kreditinstituten funktioniert.

Wir dürfen auch bei Zusammenbrüchen vom Ausmaß der Herstatt-Bank das Augenmaß nicht verlieren. Bis zu diesem Ereignis hat der gesamte Schaden aller Einleger durch Bankinsolvenzen seit 1961 in der Bundesrepublik keine 200 Millionen Mark ausgemacht – und das bei einer Gesamtzahl von rund 7200 Kreditinstituten mit einem Geschäftsvolumen von über 1,1 Billionen Mark. Besser als strengere Kontrollen sind solidarische Maßnahmen zum Schutz der Einleger. Gegen eine Täuschung der Bankenaufsicht durch Spitzbuben kämpfen selbst Götter vergebens.

Rudolf Herlt