Idi Amin: Als Politclown unterschätzt, als "schwarzer Hitler" überschätzt

Von Gabriele Venzky

Wenn ich nichts zu sagen habe, dann halte ich den Mund." Doch bisher wußte er noch immer etwas zu sagen: Idi Amin, etwa 50 Jahre alt, 1,98 Meter groß, über zwei Zentner schwerer ehemaliger Box-Champion des Landes, General von eigenen Gnaden, und seit seinem Staatsstreich 1971 rücksichtsloser Militärdiktator von Uganda und selbsternannter "neuer Prophet Allahs", überschüttet die Welt mit Telegrammen, Botschaften und unerbetenen Ratschlägen seltsamen Inhalts.

Den amerikanischen Präsidenten Nixon nannte er einen "Kriegsverbrecher", empfahl sich jedoch als sein "bester Freund" und schlug ihm vor, seinen Außenminister Kissinger nach Kampala zu schicken. "Dort werde ich ihm sagen, wie er die Krise im Nahen Osten beilegen kann." Daß die Truppenentflechtungsabkommen für Suez und Golan bereits perfekt waren, störte ihn nicht. Kissinger, so verkündete er, müsse ein "dummer Mann" sein, denn er verhandele nur mit "schwachen Ländern" und käme nicht, um den Rat "des größten Staatsoberhauptes der Welt" einzuholen.

Idi Amin sieht sich als Mann von anderem Kaliber: "Ich bin der einzige schwarze Führer, der stark und zäh zugleich ist, und ich verhandle grundsätzlich nicht mit zweitrangigen Leuten." Den Engländern bot er an, das Nordirlandproblem zu lösen, den Arabern wollte er zeigen, wie man in wenigen Tagen "die Juden ins Meer jagt". Dem damaligen israelischen Verteidungsminister Dayan drohte er: "Wenn Sie eine ernste Lage vermeiden wollen, dann sagen Sie Meïr und Kissinger, dem Mörder, sie sollen sich mit mir persönlich in Verbindung setzen." Verjagen will er auch die Weißen in Rhodesien und Südafrika, diesmal an der Spitze einer panafrikanischen Streitmacht. "Wenn jedes Land Truppen stellen würde, wäre uns der Sieg gewiß." Denn: "Alle afrikanischen Völker wollen die Freiheit. Sie haben mich gebeten, ihren Staatsmännern zu sagen, daß sie ihnen gleichermaßen die Freiheit geben sollen, wie ich den Menschen in Uganda."

Die Angehörigen der von Amins Soldateska ermordeten Ugander, deren Zahl die internationale Juristenkommission mit 25 000 bis 250 000 und Amins ehemaliger Außenminister Kibedi mit 80 000 bis 90 000 angibt, vermögen solche Botschaften nicht mehr zu glauben, und auch die 40 000 Uganda-Asiaten nicht, die innerhalb von 90 Tagen vertrieben wurden. Freiheit à la Ugandas heißt nichts anders als Unsicherheit, Terror, Massenmord.

Die Killerkommandos, deren Chef Hitler lobt, weil er sechs Millionen Juden vergast habe, leisten ganze Arbeit. "Vermißt, vermutlich tot", das ist die offizielle Antwort auf die Frage nach dem Verbleib ganzer Armee-Einheiten, hoher Beamter, ehemaliger Minister und eines großen Teils der gebildeten Schicht Ugandas.