Von Karin Howard

Die Berufstätigkeit verheirateter Frauen mit Kindern wird gern als "Hobby" abgetan, als eine eigene Entscheidung, mit der gefälligst jede Frau selber fertig werden müsse. Dieser Versuch, das Dilemma berufstätiger Mütter – ihre Doppel- oder gar Dreifachbelastung als Mutter, Hausfrau und Arbeitnehmer – aus der Welt zu schaffen, hat bisher prächtig funktioniert. Protokolle von Gesprächen mit berufstätigen Müttern lassen immer wieder das schlechte Gewissen erkennen, die strapazierten Nerven, die Überarbeitung der Befragten: Die Familie soll unter der eigenen Berufstätigkeit ja nicht leiden.

Ein Drittel aller Mütter mit Kindern unter 18 Jahren ist in der Bundesrepublik Deutschland berufstätig. Mehr berufstätige Frauen denn je sind verheiratet (1900: 27 Prozent, heute rund 55 Prozent). Gleichzeitig ist der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen über Jahrzehnte hinweg ziemlich konstant geblieben.

Während die Berufstätigkeit der Mutter bei uns heute nicht mehr schlechthin abgelehnt wird, bleibt sie während der ersten Lebensjahre des Kindes weiterhin umstritten. Das belastet vor allem die 36 Prozent der berufstätigen Frauen, die als Haupternährer ihrer Familie zur Berufstätigkeit gezwungen sind.

Die Erleichterungen für Mütter, die Kinder unter drei Jahren haben, stecken noch in den Anfängen. Schon seit längerer Zeit gibt es in vielen Städten sogenannte "Tagespflegestellen", die vom Jugendamt an alle Mütter vermittelt werden. Jede Frau, die die Mindestanforderungen für eine amtliche Pflegeerlaubnis erfüllt, darf Kleinkinder aufnehmen. Einkommensschwache Familien, die die 220 bis 300 Mark, die das monatlich kostet, nicht verkraften können, erhalten auf Antrag einen staatlichen Zuschuß.

Um die Betreuung der 800 000 Kinder, die dafür in Frage kommen, auch in pädagogischer Hinsicht auszubauen, entwickelte das Bundesfamilienministerium das "Tagesmütter-Projekt". Tagesmütter müssen einen Vorkurs für die Betreuung von bis zu vier Kleinkindern (eigene eingeschlossen) absolvieren. Sie bekommen dafür vom Jugendamt 320 bis 630 Mark und sind renten- und krankenversichert. Die entsprechenden Versuche laufen erst jetzt mit reichlicher Verspätung in einigen süddeutschen Städten um Stuttgart an. Aufrufe, sich für einen Tagesmütterlehrgang bereit zu finden, fanden ein großes Echo. Doch Kinder für diese Versuche wurden kaum gemeldet.

Einwände gegen dieses Projekt haben Psychologen und Pädagogen, die dagegen sind, das Kind von der eigenen Mutter auch nur zeitweise zu trennen. Die Frauen-Emanzipationsgruppen ihrerseits meinen, daß durch diese Maßnahmen die Verantwortung für die Kinder wieder einmal allein den Frauen aufgebürdet wird und ihnen berufliche Alternativen vorgegaukelt werden, die keine sind.