Barzel nach Brüssel?

Ganz behutsam sucht die CDU-Führung nach einer attraktiven Aufgabe für ihren früheren Vorsitzender Dr. Rainer Barzel, die allerdings zwei delikate Voraussetzungen erfüllen muß: Sie müßte Barzel Verantwortung im Bereich der Außenpolitik geben, ohne in ihm gleichzeitig neue Ambitionen für eine CDU-Karriere zu fördern. Die Lösung: Rainer Barzel wird als neuer Kommissar der Europäischen Gemeinschaft genannt, der an Stelle des ausscheidenden Ralf Dahrendorf (FDP) treten soll. Für eine Benennung des ehemaligen CDU-Vorsitzenden gibt es viele Argumente:’Barzel ist ein engagierter Europäer, von dem man sich neue Impulse in der Kommission erhofft; nach ungeschriebener Regel wird die Opposition grundsätzlich bei der Besetzung Brüsseler Positionen berücksichtigt; nach dem auffallenden Lob für Barzel durch Kanzler Schmidt gäbe es keine sachlichen Einwände. Außenminister Genscher, mit dem es bereits Kontakte gegeben haben soll, hat weniger Einwände als Rainer Barzel, der den Verdacht liegt, er solle abgeschoben werden.

Wacht vor Wachteln

Die Tatsache, daß Bundeskanzler Schmidt der dänischen Königin Margarete II. bei deren Staatsbesuch in Bonn unter anderem eine "Wachtel-Essenz Diana" servieren ließ, hat den Protest eines Berliner "Komitees gegen den Vogelmord" hervorgerufen. Eine solche Geschmacklosigkeit, so heißt es in einem offenen Brief des Komitees, könne man nur sehr schwer verstehen, wenn man die jahrelangen Bemühungen der verschiedenen Vereinigungen zur Rettung der Zugvögel und ihren Kampf gegen die Vogeljagd kenne.

Amerikas neue "Paten"

In den Vereinigten Staaten bekommt das organisierte Verbrechen ein neues Gesicht: An die Stelle der italienischen Mafia, die jahrzehntelang das Gangstertum in den Millionenstädten des Kontinents beherrschte, treten nach und nach kriminelle Großbanden, die von Schwarzen und Puertorikanern regiert werden, auf. Nach jüngsten Untersuchungen kontrollieren sie in New York bereits fast völlig die Prostitution und das Glücksspiel. Bald, so wird vermutet, werden sie die italienischen "Familien" samt ihren "Paten" auch auf dem lukrativen Gebiet des Rauschgifthandels ausmanövriert haben. Neue Bandenkämpfe drohen den Amerikanern. Der Direktor des Mann-Lincoln-Instituts an der New Yorker Columbia Universität, Francis Janni, der die Mafia erforscht, meint dazu: "Unsere Unterwelt ist eine der Möglichkeiten, mit der die Vereinigten Staaten ihre Bürger integriert."

Pocken gebannt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Tochterinstitution der Vereinten Nationen, gibt sich optimistisch: Bis 1976, so ließ sie verkünden, seien die Pocken in aller Welt "ausgerottet". Tatsächlich sank die Zahl der Erkrankungen von 2,5 Millionen (1967) auf 33 304 (1970). Seitdem ist aber wieder eine steigende Tendenz festzustellen: Von 100 000 im vergangenen Jahr auf 123 000 bis Ende Mai dieses Jahres. In Indien, vor allem in der Nordregion, wurden allein 13 000 Krankheitsfälle registriert. Donald Henderson aber, der Leiter der WHO-Pockenabteilung, läßt sich seinen Glauben dennoch nicht rauben: Innerhalb von zwölf Monaten, so prophezeite er, könnte auch die Pockenepidemie "auf Null" zurückgeschraubt werden.