Mit Modeschauen für Mode werben, Besseres wurde in unserem Jahrhundert bis jetzt nicht erfunden. Geziertes Schreiten nach Salonmusik stand am Anfang und hat sich für Luxusmode bis heute bewährt. Es folgten Ende der fünfziger Jahre "Happenings à la Mode" mit ersten Auftritten in Gruppen. Als Minirock und Hosen ihren Höhepunkt erreichten, ließ man "die Puppen tanzen" – nach ohrenbetäubenden Sounds. Erst die Nostalgiewelle brachte ruhigeres Vorführen nach Songs der dreißiger Jahre. Schlendern, Arm-in-Arm-Laufen, unterbrochen von Hüpfschritten und gelegentlichem Hasch-mich, so präsentiert sich heute die junge Mode. Die Haute Couture aber pflegt totale Ruhe in ihren Salons: Vorführen ohne Musik, ohne Ansage, nur Nummern, die von den Mannequins gezeigt werden, vermitteln Auskunft über die Modelle, die im Programm verzeichnet sind.

Schweizer Textil-Werbeleute dachten sich jetzt einmal etwas anderes aus, als sie zum 12. Rencontre der Jungen Mode 1974 unter dem Thema "Design – alive" die internationale Modepresse nach Bad Ragaz einluden. Im Mittelpunkt standen 84 Mitglieder von acht europäischen Modeschulen aus Arnheim, Barcelona, Kingston, Mailand, München, Paris, Wien und Zürich; also Modestudenten mit ihren Lehrern, die in dem drei Tage dauernden Wettbewerb um den Wanderpreis heftig konkurrierten.

So lief das Programm nicht nur für die Schulen, sondern auch für die 300 geladenen Gäste folgerichtig ab. Es begann mit "Reise", Ankunft im Hotel Quellenhof, "Business", Besuch einer Mini-Swiss-Stoff-Messe, "Crazy Fondue-Party" mit Alphornblasen und Vorführung von Lingerie-Modellen. Es folgten "Freizeit und Sport" während eines Picknicks und "Treffen am und im Swimming-pool" des Thermalbades.

Den festlichen Abschluß für alle bildete der "große Ball" nach der "Hochzeit", auf dem Braut- und Ballkleider zu sehen waren. Die Frage lautete: Wie ziehe ich mich zu diesen Gelegenheiten an? Alle Teilnehmer waren aufgefordert, sich diesen Aufgaben kleidungsgemäß anzupassen, was die Kofferträger der Hotels auf Trab brachte.

Für viele der jungen Leute war es die erste große Reise. Mannequins gab es nicht. Schülerinnen und Schüler traten gruppenweise in "ihren" Kleidern auf, mischten sich unters "Volk", das an Nummern die Modelle erkannte und nach jedem Modelldurchgang zu jurieren hatte.

Die Tagessieger wurden am Abend bekanntgegeben. Endgültige Siegerin wurde die Kingston Polytechnical School of Fashion, England, und eine Nasenlänge dahinter folgte die Akademie für bildende Künste in Arnheim, Holland. Beide Schulen zeigten Mut zur Originalität und bewiesen ihr technisches Können mit materialgerechter Verarbeitung.

Die "Exportwerbung für Schweizer Textilien", die als Veranstalter fungierte, wurde gegründet, um für die weltberühmte Baumwoll- und Stickerei-Industrie von St. Gallen weitere Bewunderer zu finden. Es sind vor allem Herrenhemden-Batiste und jene zarten Stoffe mit Blüten und Blättern, teils plastisch bestickt, mit, Spitzen durchbrochen oder mit Steinen bestickt, die nicht nur als duftige Ball- und Brautkleider, sondern auch als Nostalgiekleider à la Poiret und Klimt in der Haute Couture verarbeitet werden.