Dattel: Das würde manchen Herren vielleicht so passen. Die Buchhaltung war immer in Ordnung. Jeder der es wollte, konnte sich aus ihr ein genaues Bild machen. Darüber hinaus hatten wir eine ausgezeichnete, ständig wache Revision.

  • Wie konnte es passieren, daß Bankführung, Herstatts Großaktionär Gerling und die Bankenaufsicht das ganze Ausmaß des Desasters erst erkannte, als es für die Rettung offensichtlich schon zu spät war?

Dattel: Das ist doch nur die falsche Version der Verantwortlichen. Herr Gerling als Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender hatte ja bei Herstatt zumindest einen Vertrauensmann, der ihn informieren sollte.

  • Sie spielen damit auf Herrn von der Goltz, den Generalbevollmächtigten von Herstatt, an.

Dattel: Ich möchte keine Namen nennen. Ich weiß auch nicht, ob und in welcher Form er wichtige Zahlen an Herrn Gerling tatsächlich weitergeleitet hat. Und was Bundesbank und Bankenaufsicht betrifft, so erinnere ich nur daran, daß ja unsere Devisengeschäfte der Landeszentralbank zum Jahresende gemeldet werden mußten, so daß unser Engagement an höchster Stelle bekannt war.

  • Herr Herstatt hat darauf hingewiesen, daß Ihnen für ihre Geschäfte ein Gesamtlimit von 25 Millionen Dollar gesetzt worden sei. Warum haben Sie sich an diese Grenze nicht gehalten? Immerhin mußte doch auch Ihnen aufgefallen sein, daß der Umfang Ihrer Engagements in keinem gesunden Verhältnis mehr zum haftenden Kapital der Bank stand.

Dattel: Solche Limits hat die Geschäftsleitung immer nur nach außen genannt, um das wirkliche Volumen unserer Engagements herunterzuspielen. Intern hat mir niemand dieses Limit vorgegeben. Sie können dies alleine schon daraus ersehen, daß man selbst bei glücklichster Ausnutzung aller Dollarkurs-Schwankungen mit 25 Millionen Dollar keine 55 Millionen Mark Gewinn machen kann, wie wir ihn 1973 erzielten. Daß dieses Limit in der Praxis nicht existiert, können Sie auch daraus ersehen, daß es jedem der rund 850 Herstatt-Beschäftigten gestand war, mit 10- bis 30prozentigem Einschuß und dem Segen der Kreditabteilung Devisen- und Edelmetallgeschäfte zu tätigen, und zwar bis zu einer Höhe von einer bis fünf Millionen Mark. Ich kenne einfache Angestellte, die davon bis zum Limit Gebrauch gemacht haben.