Dieses Konzept ging davon aus, daß ein Mehr an europäischer Sicherheit nicht allein die Sicherung, sondern zugleich auch die Veränderung des Bestehenden voraussetzt. Es wurzelte in der Überzeugung, daß Entspannung, wenn sie dauerhaft und stoßfest sein soll, auch den Menschen, nicht nur den Staaten zugute kommen muß. Es berief sich auf einen Sicherheitsbegriff, der Staatsrecht und Menschenrecht untrennbar vereint. Es gründete sich letztlich auf eine dynamische und nicht statische Vorstellung von Europa,

Mehr als vieldeutige Phrasen und viel Papier werde diese Genfer Konferenz nie produzieren. "Waste of time" – "Zeitverschwendung", wie Henry Kissinger verächtlich meint. Warum sich also lange dagegen sperren, daß die Sowjets zu ihrem KSZE-Spaß kommen, zur Festschreibung ihres osteuropäischen Besitzstandes, und sich die Amerikaner dabei noch ein Plus für ihre Raketengespräche mit Moskau erhandeln?

Es wäre dies das Ende der angestrebten "europäischen Option", der peinliche Verzicht der europäischen Sicherheitskonferenz auf einen europäischen Beitrag zur Entspannung. Wenn präzise Konferenzpapiere nicht zu haben sind, die Sowjets nur nehmen und nichts geben wollen und die USA weiterhin nur auf Großmachtsdétente aus sind, dann müßten die Westeuropäer in Genf eigentlich die Notbremse ziehen:

"Wenn im Verlauf unserer Erörterungen klar würde, daß unsere Auffassungen über die Wirklichkeit noch zu weit auseinanderklaffen", so hatte der damalige Außenminister Scheel vor genau einem Jahr zur KSZE-Eröffnung erklärt, "dann wäre es ein Gebot der Ehrlichkeit, dies klar zu sagen. Es würde nichts anderes bedeuten, als daß die Bedingungen noch nicht reif sind, um das ehrgeizige Ziel, das wir uns gesetzt haben, auf dieser Konferenz zu erreichen".