Reden und schießen – diese Doppelstrategie bestimmt weiterhin den Nahostkonflikt. Nach dem Abschluß der Kairoer Sonderkonferenz des Verteidigungsrates der Arabischen Liga setzte Israel seine Vergeltungsangriffe gegen den Libanon fort.

In der ägyptischen Hauptstadt war es zu keiner Einigung gekommen: Während die libanesische Regierung – aus Sorge vor einer Zunahme israelischer Attacken – von den arabischen Staaten nur eine finanzielle Unterstützung zum Aufbau der eigenen Streitkräfte haben will, beharren die Palästinenser darauf, daß ihnen zum Schutz ihrer Lager Luftabwehrraketen im Wert von 60 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden. In Jerusalem meinte Luftwaffenchef Peled dazu, Israel werde den Aufbau eines solchen Raketensystems verhindern.

Wie um dieser Drohung Nachdruck zu verleihen, griffen israelische Schnellboote drei libanesische Häfen an, wo angeblich palästinensische Freischärler zu Sabotageaktionen ausgebildet werden. 30 Fischerboote wurden versenkt.

Nach einem Raketenüberfall auf die nordisraelische Siedlung Kerem Ben Zimra, fünf Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt, schossen die Israelis zurück. Auch in Jerusalem wird nicht damit gerechnet, daß zur Beruhigung der Nordfront die palästinensischen Organisationen dem Vorschlag des libanesischen Außenministers Naffah folgen werden, die 15 Flüchtlingslager in den Verteidigungsplan der Regierung von Beirat zu integrieren. Nach den bürgerkriegsähnlichen Unruhen im Jahre 1973 war den Freischärlern in den Lagern absolutes Hausrecht zugesichert worden.

Ägypten macht derweil weitere Anstrengungen, im Westen neue Partner zu finden und sich von der jahrelangen einseitigen Bindung an den Ostblock zu lösen. In Bonn unterzeichnete Kairos Außenminister Fahmi drei Abkommen zur wirtschaftlichen Kooperation. Danach erhält Ägypten in der Zeit von 1974 bis 1976 eine Kapitalhilfe in Höhe von 500 Millionen Mark. Ein Großteil dieser Summe ist für den Wiederaufbau der Suezkanal-Zone vorgesehen.