Von G. Freese

Manch würdiger Bayer wunderte sich: Als Mitte Mai Ministerpräsident Alfons Goppel den Verdienstorden seines Freistaates an verdiente Bürger vergab, wurde ein Mann "für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk" geehrt, dessen Verdienste nicht jedermann einsichtig waren: der Berliner Verleger Axel Caesar Springer. Doch einen Monat später offenbarten sich den ratlosen Bayern die engen Kontakte des Preußen zu ihrem Alpenland.

Schon seit Monaten hatte der Verleger mit zwei bayerischen Bankiers über die Partnerschaft an seinem Presseimperium verhandelt. Für einen Preis von 200 Millionen Mark sollten die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank und die Bayerische Landesbank 25 Prozent des Zeitungskonzerns (Verlagsobjekte: Bild, Bild am Sonntag, Welt, Welt am Sonntag, Berliner Morgenpost, BZ, Hamburger Abendblatt, Hörzu, Funk Uhr) übernehmen. Doch schneller als erwartet, warfen Springers Verhandlungspartner das Handtuch. Nicht die Bewertungsfrage des Minderheitspakets – Hypochef Anton Ernstberger und Landesbankier Karl Theodor Jacob schätzten das Firmen-Viertel auf lediglich 175 Millionen Mark ein – war der Grund für das Scheitern des preußisch-bayerischen Pakts. Die Politik machte dem Verlagsgiganten einen Strich durch die Rechnung.

Denn Initiator des Millionenhandels war der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß. Für den Bund zwischen den bayerischen Banken und dem rechtskonservativen Verlagshaus mochten sich daher Jürgen Ponto, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, und Ludwig Pollain mit seiner Westdeutschen Landesbank, die die bayerischen Bankiers gern dabei gehabt hatten, nicht erwärmen. Das politische Geschäft zerbrach, als zunächst Jürgen Ponto politische Bedenken äußerte und auch Poullain sich nicht in die rechte Ecke drängen lassen wollte. Damit aber war, so Landesbankchef Jacob, "die Sache nicht mehr politisch zu neutralisieren". Er stieg ebenfalls aus. Für Anton Ernstberger allein wurde der Brocken letztlich zu groß.

Die Springersche Partnersuche endete damit zum zweitenmal innerhalb von vier Jahren mit einem Fiasko. Schon 1970 hatte der Verleger, "um mein Lebenswerk gesichert sehen zu können", einen Partner zu einem Drittel an seinem Unternehmen beteiligt: die Gütersloher Bertelsmann-Gruppe (Finanzier der damals 313 Millionen-Mark-Summe: Poullains Westdeutsche Landesbank). Doch die "Elefantenhochzeit" platzte nur wenige Monate später. Grund: Der sendungsbewußte Verleger war enttäuscht darüber, daß Bertelsman-Chef Reinhard Mohn seine gleichzeitige Bindung an den politisch liberalen Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr nicht lösen wollte.

Über die Motive des 62jährigen Alleinaktionärs der Springer AG, sein Unternehmen an andere Partner zu binden, geben die offiziellen Verlautbarungen nur wenig Aufschluß. Der Verlag verhandle, so die magere Verlautbarung der hauseigenen Presseabteilung, seit längerer Zeit mit Banken "über die Finanzierung zusätzlicher Druckkapazitäten, an denen auch Zeitungen anderer Häuser partizipieren sollen." Doch einen Tag vor dieser Veröffentlichung hatte Alleinvorstand Peter Tamm bei Bekanntgabe des Geschäftsberichts 1973 noch betont, daß sich das Haus Springer auf das "veränderte Geschäftsklima", gekennzeichnet durch eine kräftige Erhöhung bei Personal-, Papier- und Postkosten und ebenso kräftige Rückgänge des Anzeigengeschäfts, eingestellt habe. Tamm: "Die Investitionen mit anderen Verlagen". Ende letzter Wo-1973 war die Offsetdruckerei in Essen-Kettwig (Kosten: 80 Millionen Mark) in Betrieb genommen worden.

Einleuchtender erscheint die zweite offizielle Begründung über die Verkaufsabsichten: "Wie alle modernen Unternehmen, muß sich das Verlagshaus Axel Springer ständig weiterentwickeln." Die nächsten möglichen Schritte seien "Kooperationen mit anderen Verlagen". Ende letzter Woche wurde bereits eine neue Kooperation bekannt. Die "Bremer Nachrichten" (Auflage: knapp 80 000 Exemplare) werden, so der Bremer Verlag Schünemann & Pörtner, gemeinsam mit Springer alle "modernen technischen, werblichen und vertrieblichen Möglichkeiten des Großverlages" nutzen. Die "Nachrichten", die in scharfem Konkurrenzkampf mit dem ebenfalls in Bremen erscheinenden "Weser-Kurier" (Auflage: 160 000 Exemplare) steht, können sich vor allem im gemeinsamen Anzeigengeschäft mit den norddeutschen Springer-Zeitungen größeren wirtschaftlichen Erfolg erhoffen.