Deutsche Butterexporteure freuen sich über einen Absatzboom in Großbritannien. Fast jedes zehnte Pfund kommt schon aus deutschen Landen.

Wer in Großbritannien die billigste Butter kaufen will, greift nach "Delicado", "Belcando" oder "Emblem" aus der Bundesrepublik Deutschland. Die Halb-Pfund-Pakete werden in den Supermärkten für 65 bis 70 Pfennig angeboten. Das ist ungefähr ein Drittel des Preises, den die deutsche Hausfrau bezahlen muß.

Deutsche Butter hat aus dem Stand heraus einen erstaunlichen Einbruch in den britischen Markt erzielt. Hält die Tendenz der vergangenen Monate an, dann erscheint deutschen Butterexperten ein Marktanteil von zehn Prozent in diesem Jahr als realistisch.

Wenn die Briten deutsche Lebensmittel kauften, bevorzugten sie bisher Wein und Bier, Wurst und Pumpernickel. Von Butter war nicht die Rede, denn dafür gab es keine Einfuhrquote. Mit dem EG-Beitritt am 1. Januar 1973 hat sich das Blatt gewendet. Die deutschen Molkereien entdeckten eine Marktnische und beschlossen, Butter auf die Insel zu exportieren. Das deutsche Milchkontor in Hamburg, eine Verkaufsorganisation der genossenschaftlichen Milchwirtschaft, gab seiner Filiale in London den Auftrag, der deutschen Butter bis 1977 einen festen Markt in Großbritannien zu sichern. Die genossenschaftliche Molkereizentrale Nordmark in Hamburg arbeitete mit einer großen privaten Importfirma zusammen.

Die deutschen Genossen konkurrieren heftig miteinander, um das neue Produkt, das für den britischen Geschmack extra gesalzen wurde, auf den Tisch der englischen Hausfrau zu bringen. Deutsche Butter ist konkurrenzlos billig. Die Maxkenpfleger sind über das Niedrigpreis-Image nicht ganz glücklich. Noch in diesem Jahr wollen die Buttermanager in einer ersten großen Publikumswerbung vom Preis zur Qualität "Made in Germany" überleiten.

Die Zahlungen aus der Brüsseler Agrarkasse machen den Butterexport möglich. Der deutsche Lieferant; erhält fast 3,10 Mark je Kilo als Währungsausgleich (für die Aufwertung der Mark) und als Beitrittsausgleich, (zur Herabschleusung des Preises auf das britische Niveau). Der britische Importeur kassiert noch einmal rund 45 Pfennig Währungsausgleich für die Abwertung des Pfundes und erhält außerdem eine Verbrauchersubvention von 75 Pfennig aus der britischen Staatskasse. Auf diese Weise werden deutsche Molkereien die Butter los, und die britische Hausfrau erhält ein halbes Pfund zu einem Preis von 65 bis 70 Pfennig: Zehn Pfennig weniger, als jetzt Margarine kostete. wk