Was Helmut Schmidt als Finanzminister begann, setzt sein Nachfolger Hans Apel unvermindert fort: die heftige Kritik an. der Ausgabenpolitik. Im Zuge der eigenen Haushaltsplanung griff Apel jetzt wiederholt den EG-Komissar Claude Cheysson an, der vor Monaten einen Hilfsplan für die ärmsten Entwicklungsländer in die Welt gesetzt hatte, ohne sich vorher mit den Finanzministern der EG-Länder abzustimmen. Der EG-Beitrag soll 500 Millionen Dollar betragen.

Verärgert über diese Brüsseler Praxis und die finanziellen Nachforderungen meinte ‚Apel giftig: "Der Cheysson-Fonds hat wieder einmal bewiesen, wie Brüssel Finanzpolitik macht. So macht das nicht mal der Gemeinderat von Buxtehude." In Brüssel würden die Pfennige wie beim Skatspiel über den Tisch geschoben. Wenn man dort über Nacht Erleuchtungen habe, was auch mal vorkommen könne, dann solle man doch gefälligst mal rechnen, wie das Geld aufgebracht werden kann. Selbstbewußt schloß er: "Die Brüsseler wissen ja, was sie von mir zu erwarten haben."

Helmut Debatin, Ministerialdirigent im Bundesfinanzministerium, wird Bonn verlassen. Kurz bevor Dabatin auf längere Dienstreise nach Asien fuhr, erhielt er aus New York die Nachricht, daß er zum Unterstaatssekretär für Finanzen im Sekretariat der Vereinten Nationen ernannt worden ist. Im Finanzministerium ist Debatin für Internationales Steuernrecht zuständig. Seine Berufung zu den Vereinten Nationen verdankt er seinem weltweiten Ruf als Außensteuerrechtler.

Im Bonner Finanzministerium gibt es allerdings noch Zweifel, ob Debatin geht. Vor einiger Zeit hatte er die Absicht, eine ihm von Bielefeld angetragene Professur zu übernehmen. Nach einigem Zögern entschied er sich dann doch in Bonn zu bleiben. Obgleich Debatin sich jetzt intern bereits verabschiedet hat, bat er doch um Stillschweigen über seine Berufung. Seine Kollegen vermuten dahinter ein erneutes Zögern. Im Finanzministerium heißt es daher: "Wir glauben das erst, wenn er auch wirklich umzieht."

Finanzminister Hans Apel will dafür sorgen, daß der Bundesbahn ein schärferer Wind ins Gesicht bläst. Er will sich mit Härte für eine Einschränkung oder Einstellung defizitärer Dienstleistungen einsetzen. Es könne "irgend etwas nicht stimmen" meint Apel, wenn der Stückgutverkehr knapp ein Prozent der Bundesbahnerträge erwirtschafte, dort aber zehn Prozent der Bahnbediensteten tätig seien. Das Personalproblem bei einer Aufgabe dieses Verlustgeschäftes sei leicht lösbar, da die Fluktuation bei der Bahn groß genug sei, das freiwerdende Personal anderswo einzusetzen.

Über die Nachfolger für die demnächst ausscheidenden deutscher. EG-Kommissare Wilhelm Haferkamp und Ralf Dahrendorf wird in Bonn derzeit viel spekuliert. Festzustehen scheint, daß für Haferkamp ein Nachfolger wieder aus den Reihen des Deutschen Gewerkschaftsbundes kommen dürfte.

Derzeit aussichtsreichster Mann ist das Mitglied des geschäftsführenden DGB-Bundsvorstandes Alfons Lappas. Der 45jährige ehemalige Waldfacharbeiter mit Verwaltungslehre ist bei dem DGB für Finanzen zuständig und leitet überdies die Abteilung "Europäische Integration". Lappas ist Mitglied der SPD.