Braun ist schön. Je brauner, desto gesünder, begehrter und erfolgreicher. Der milchweiße Teint unserer Großmütter, unter Sonnenschirmen sorgfältig gehütet, ist in einer Gesellschaft, in der die Arbeit nicht mehr bei Wind und Wetter auf Feld und Hof stattfindet, zum Anti-Idol geworden. Blaß ist nicht vornehm, sondern bemitleidenswert. Und so beginnt zweimal im Jahr der Zug der Bleichen zu irgendeinem Süden, wo man an einem einzigen Urlaubstag mindestens so krebsrot werden kann wie am Strand oder im Liegestuhl vor Firnschnee.

"Ach, gräßlich", sagte. meine Friseuse, "jetzt müssen wir wieder nach Afrika, und ich bekomme einen Sonnenbrand und kann nicht schlafen, und das Essen Verträge ich auch nicht."

Das – sagen die Hautärzte – ist eine präzise Beschreibung des Dilemmas. Braun sein wollen alle, aber durch Ahnungslosigkeit führt der Weg dahin oft genug zu körperlichen Schädigungen.

Keine kosmetische Tagung findet statt ohne Horror-Dias von Kranken, denen die Sonne ganze Hautpartien mit Krebs überzog oder die eine Haut wie eine alte Squaw oder den Rücken voll blasiger Entzündungen haben. Da ist die Sonne nicht mehr Lebensspender (Ärzte sagen: Sonne in Maßen regt den Blutkreislauf der Haut an; was sie jung erhält, läßt Vitamin D entstehen und verringert die Anfälligkeit gegen Infektionen), sondern sie ist Geißel, die die menschliche Haut verwüstet und versengt.

Die Folge sind anfangs Reizerscheinungen, nervöse Krisen und Sonnenbrand, später dann Degeneration des Bindegewebes der Lederhaut, Elastizitätsverlust, Faltenbildung, frühe Alterung und nicht selten Hautkrebs.

Da aber nun einmal jeder braun werden möchte, wächst das Bedürfnis nach Hautpräparaten, die Lichtschutz gegen die Sonnenstrahlen gewähren. Von den 80 Mark, die der Bundesbürger 1973 für Kosmetika ausgab, waren fünfunddreißig Prozent für pflegende Produkte, davor, sieben Prozent für Sonnenpräparate.

Immer noch muß der Verbraucher lernen, daß es Mittel zum Braunwerden nicht gibt. Risikolos bräunen können nur äußerlich aufgetragene Farben oder selbstbräunende Produkte, die jedoch nach Aussage ihrer Hersteller "problematisch" sind. Da kann viel schief laufen: Zu lange oder zu. warme Lagerung zerstört die Wirkungsweise des für die Bräunung verantwortlichen Dehydroxyaceton. Außerdem hält diese Kunstbräune nur so lange, wie die oberste Hornschicht nicht abschilpert. Wer sich wäscht, wird schneller blaß.