Finanzmakler mit Verbindungen zum Vatikan geriet in Bedrängnis

Als Michele Sindona vor zwei Jahren für die Westdeutsche Landesbank die Mehrheit der italienischen Finanzholding Bastogi aufkaufen sollte, blockierten ihn Italiens Großbanken. In der vergangenen Woche halfen sie ihm: Der zum staatlichen IRI-Konzern gehörende Banco di Roma räumte der Sindona-Gruppe eine Kreditlinie von hundert Millionen Dollar ein.

Das Geschäft zwischen der viertgrößten italienischen Bank und dem größten italienischen Finanzmakler wurde jedoch nicht in Rom, sondern im fernen Nassau auf den Bahamas abgeschlossen. Die dort residierende IRI-Tochtergesellschaft Banco di Roma Finance gewährte der vor vier Monaten auf den Kayman-Inseln von Sindona gegründeten Generale Immobiliare Internationale Bank für sechs Monate die Dollar, die internationale Geldgeber für die gleiche Zeit zur Verfügung stellen. Das Abkommen kann bis zu einer Dauer von zwei Jahren verlängert werden.

Allerdings ging eine Blitzkonsultation in Rom voraus, ehe der clevere Rechtsanwalt Michele Sindona diesen Kredit bekam. Ohne ihn wäre Sindona, der sich in seinen 53 Lebensjahren ein eigenes Finanzimperium von beträchtlichem Ausmaß aufgebaut hat, in die Klemme geraten.

Als größter Einzelaktionär hält er 22 Prozent vom Kapital der New Yorker Franklin National Bank – in der Rangliste der US-Banken an der 20. Stelle. Als sich vor ein paar Wochen herausstellte, daß diese Bank durch Devisenspekulationen 40 Millionen Dollar verloren hatte, reagierte der Großaktionär blitzschnell. Ehe Untersuchungen von Amts wegen eingeleitet wurden, lud Sindona die Aufsichtsbehörden ein und bezichtigte den Leiter der Devisenabteilung. Der Devisenspezialist habe ohne sein Wissen und ohne Vollmacht spekuliert.

In Italien, nach wie vor Operationsbasis der Sindona-Gruppe, fielen unter dem Eindruck der schlechten Nachrichten von der Wallstreet die Kurse der Sindona-Finanzholding Società-Generale Immobiliare (Grundkapital: 250 Millionen Mark). Sindona hatte es in den letzten Jahren verstanden, durch immer neue Holding-Gründungen sein Imperium zu vergrößern. Er kaufte jeweils die zur Beherrschung erforderliche Mindestbeteiligung an Unternehmen.

So gehört ihm jetzt die größte italienische Luxus-Hotelkette CIGA in Venedig, die FASCO AG in Liechtenstein als Holding seiner internationalen Beteiligung, die ihm zu hundert Prozent gehört, und auch das Bankhaus Wolff KG in Hamburg. An Finanzierung und Bau des Hilton-Hotels in Rom ist Sindona ebenso beteiligt wie bei neuen Bürozentren und Hochhäusern in Mailand, Paris, Monte Carlo und Los Angeles. Auch in Washington ist Sindona vertreten. Ihm gehört die Watergate Improvement Inc., deren Bau am Potomac über die Machenschaften um Nixons Präsidentschaftskandidatur berühmt wurde. Mit Nixon verbindet ihn aber noch mehr: Für den letzten Wahlkampf spendete er den Republikanern eine Million Dollar.