Wenn Sie Schallplatten kaufen, dann –

Unbedingt:

Franz Schubert: "Vokalquartette"; Elly Amelung, Janet Baker, Peter Schreier, Dietrich Fischer-Dieskau, GeraldMoore (Klavier); DGG 25 30 409, 25,– DM

Lieder von Schubert – gewiß; aber Quartette? Wie viele gibt es, sind es Originale oder Bearbeitungen? Wozu sind sie komponiert, in welchem Rahmen entstanden und aufgeführt? Dummerweise zeigt die Plattenhülle hier, wo sie tatsächlich einmal Informationen vermitteln könnte, nur die fünf Konterfeis der Interpreten. Eines der Quartette zum Beispiel, "Gebet" auf einen Text von Friedrich de la Motte-Fouqué, wurde im September 1824 von der Gräfin Esterhazy von Zseliz am Morgen bei der Frühstückstafel bestellt und am Abend bereits im Salon geprobt. Ein bißchen merkt man schon, daß es Gelegenheitskompositionen sind, spontan und für den Moment geschrieben. Und so kann man natürlich das ganz Große, das Unnachahmliche darin vermissen: Auch die Genies schrieben Dutzendstücke – und auch die Genies unter den Interpreten vermögen dann eben nur schön zu singen und gut zu gestalten. Aber diese Platte dokumentiert eine Gesellschaftskunst, von der und von deren gesellschaftlichen Hintergründen viel zu wenig bekannt ist, eine Ensemblekunst, die kaum mehr gepflegt wird, eine naiv-heiter-gläubig-zuversichtlich gestimmte Seligkeit, die uns restlos abhanden gekommen ist.

Nach Möglichkeit:

Robert Schumann: "Sinfonie Nr. 3 (Rheinische)"; Berliner Philharmoniker, Dirigent: Herbert von Karajan; DGG 25 30 447, 25,– DM

Bislang war schon eine ältere Furtwängler-Aufnahme im Grunde unübertroffen – nun hat Karajan mit schönstem Instrumenten-Belcanto ein neues Exempel statuiert. Dieser Schumann ist keineswegs nur vordergründig hochgesteigerte Euphorie. Hier ist im zweiten Satz die märchenhafte Kulisse ausgebreitet, aber auch so etwas wie eine Vorahnung von gar nicht mehr Idyllischem; da wird in dem "Feierlich" des vierten Satzes zwar die undurchdringliche Mystik eines katholischen Kultes (die Inthronisation des Bischofs lieferte Schumann die atmosphärische Vorbedingung) vorgeführt, aber auch die Skepsis, der Schauder vor diesem Unheimlichen; da ist – wie beim Karneval – hinter der Heiterkeit etwas von der Tragik eines scheiternden Menschen zu spüren.