Vielleicht:

Dymitrij Schostakowitsch: "Sinfonien Nr. 3 und Nr. 11"; Orchester der Moskauer Staatlichen Philharmonie, Dirigent: Kyrill Kondraschin; Melodia-Eurodisc 86 995 XFK, 39,– DM

Ein Stück des vierundzwanzigjährigen engagierten und gegen die strengen Regeln der politischen Observanten aufbegehrenden Erfolgskomponisten als ein Massengesang zum 1. Mai (1930) und ein Werk des Rückblicks auf "das Jahr 1905", auf die frühe Revolution also – und zwischen dem aufgeregt-aufregenden Drängen des einen und der gewiß nicht milderen, aber formal gestraffteren Retrospektive findet sich als Gemeinsames nur die einmalige und unverwechselbare Kombination einer dramatisierenden Rhythmik und einer zwischen faszinierender Ungewöhnlichkeit und hohlem Phatos ständig wechselnden Symbiose aus Harmonik und Thematik. Eine gewiß authentische, jedenfalls überwältigend schöne wie wild gestikulierende Interpretation.

Besser nicht:

"Ein neues Halleluja Schwann ams studio 401, 16,– DM

Ende Oktober trafen sich in der Düsseldorfer Thomaskirche Komponisten, Texter, Bands und Chöre mit interessierten gläubigen und nichtgläubigen Pop-Fans zum ersten "Sacro Pop Festival"; die Platte dokumentiert den Wettbewerb der Gruppen. So neu ist das Halleluja nicht, das da gesungen wird: etwas Protestsong, etwas Les Humphries, ein bißchen Agitpop, ein bißchen Edelhagen, ein Schuß Sarkasmus und viel, viel pastorale Lyrik. Von der manchmal erschreckenden Harmlosigkeit, die in Düsseldorf überwog, ist auf dieser Platte weniger zu hören, die Profis sind hier versammelt – dennoch ist auch deren theologisches wie musikalisches Alphabetisieren nur ein Zeichen für die Anstrengung einer Kirche, sich mit unqualifiziertem modischen Zauber anzubiedern bei einem zu kritischem Zuhören nicht vorbereiteten Publikum.

Heinz Josef Herbort