Von Rainer Frenkel

Noch wenige Wochen und Nelson A. Rockefeller wird sich auch nominell angemessen motorisieren können. In den vergangenen Monaten mußte er seine während der Energiekrise erwachte Diesel-Neigung mit dem schmucklosen 240 D von Daimler-Benz befriedigen. Bald wird ihm und den übrigen amerikanischen Diesel-Fans ein "Dreihunderter" zu Gebote stehen.

Diesen stärksten Diesel, den es je gab, stellten die Daimler-Leute jetzt vor. Seine fünf Zylinder schaffen gemeinsam 80 PS und verhelfen ihm zu Fahrleistungen, die die Diesel-Gemeinde dankbar begrüßen und dazu nutzen wird, endlich den VW-Käfer klar zu distanzieren – vielleicht sogar die Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen zu mißachten: In 20 Sekunden läßt sich der Neue auf 100 Stundenkilometer bringen, erst bei 150 km/h kann er nicht mehr schneller.

Das nostalgische Gefühle weckende 300-Emblem bleibt freilich den Amerikanern vorbehalten, an deren Adresse sich die Neukonstruktion auch nicht zuletzt wendet. Europäer müssen mit der Bezeichnung 240 D 3,0 vorliebnehmen. Für deren kühlen und wirtschaftlich orientierten Sinn erschien den Marktforschern das Signet 300 zu protzig.

Der neue Diesel markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die 1936 begann. In jenem Jahr, als das Automobil sein 50jähriges Jubiläum feierte, hatte der Diesel-Personenwagen Premiere. In Gestalt einer sechssitzigen Landaulet-Karosserie als 260 D (vier Zylinder, 2,6 Liter Hubraum, 45 PS).

Die Daimler-Benz-Chronik weiß von schwierigen Geburtsumständen zu berichten, aber auch von der "überlegenen Wirtschaftlichkeit des Schwerölmotors", die nach einschlägigen Lastwagenerfahrungen damals seinen Einsatz im Personenwagen empfahl. So war denn auch der 260 D schon vom Gewicht her ein Mischling zwischen Nutzfahrzeug und Pkw.

Noch heute haftet dem Diesel-Personenwagen diese mittlerweile zum Vorurteil geratene Einschätzung an, ein Beweis seiner langlebigen Robustheit. Noch heute auch sehen sich manche Dieselfahrer als "aktive Panzerwagenfahr schätzen sein tatsächliches Gewicht um Zentner zu hoch ein.