Die Brüsseler Zeitung Le Soir hat neulich darauf hingewiesen, wie sehr sich der Stil der sommerlichen Rummelplätze verändert hat. Und das gilt für ganz Europa.

Die schönen weißen Pferde haben die Karussells verlassen und sind in die Modehäuser geraten, wo ihr Galopp erstarrte. Die großen holländischen Drehorgeln, ohnehin motorgetrieben, werden nicht mehr von schweren Gäulen, sondern von Treckern fortbewegt. Le Soir weist darauf hin, daß die Natur wenig mehr gilt und das "Wunder der bärtigen Dame" keines Blickes mehr gewürdigt wird. Da fragt man sich allerdings, wie die Jugend heute reagieren würde, wenn man ihr eine Sensation wie diese vorsetzte, die mich als Kind in tiefes Nachdenken über das Wesen der Erwachsenen versinken ließ: Ein Plakat am Eingang einer Schaubude: "Ein Pferd, ein Pferd, ein Wunderpferd! Wo andere den Kopf haben, hat dieses den Stert!"

Da hatten sie ein lebendiges Pferd mit dem Schwanzende an die Krippe gebunden.

Nur in ganz kleinen Dörfern und bei selbstgebastelten Vergnügungen wird noch die alte Kunst gepflegt, mit Bällen nach Türmen aus Konservendosen zu werfen. Man schießt schon in mittelgroßen Siedlungen aus Maschinengewehren auf Flugzeuge. Der Lärm, der dabei entsteht, ist sachlich nicht zu rechtfertigen, denn wenn ein Flugzeug abstürzt, ist ein elektrischer Kontakt oder ein Lichtstrahl im Spiel gewesen.

Dem Wink "Haut den Lukas!" folgt keiner mehr. Dabei sollte die Energie, die durch den Faustschlag auf ein Polster oder den Hammerschlag auf einen Holzkeil erzeugt wird, schon ein modernes Vergnügen sein, weil sie ganz ohne Mitwirkung der arabischen Ölscheichs gewonnen wird. Aber nein, ein Volksfest ist heute von weitem schon daran zu erkennen, daß in der Luft ein Dunst liegt, wie ihn nur Otto- oder Dieselmotoren erzeugen können. Rummelplatz – Sinnbild unseres "natürlichen" Lebens,

Mein Freund, der geläufig das Argot, die Sprache des Pariser Volkes, spricht, pflegt den Tod eines Mitbürgers so zumelden: "Il vient d’éteindre son gaz", "der hat gerade sein Gas abgestellt."